53. Singwoche
Mold 5, 2026
Aus heiterm Himmel kam er nicht,
der Blitzschlag, mit dem mein Gedicht
beginnen muss in diesem Jahr.
Die Frage Wolfgangs und Renates war,
wie ohne Niki kann gelingen
auch heuer das gewohnte Singen.
Sie hatten Fleiß und hatten Glück
und schafften das Husarenstück.
*
Was wär’ die AMF-sche Wiki
denn ohne unsern lieben Niki?
Man pflückt von diesem Apfelbaum
Zitate wie in einem Traum.
Jetzt muss man buchen Seminare,
um ranzukommen an die Ware:
Es sprudelt nun der Niki-Quell
inkognito beim NGL.
Wie schön, dass sie gekommen sind,
die Linda, Niki und das Kind.
Emanuel, den Schalk im Nacken,
tut schon die ersten Stufen packen,
hinunter und auch gleich hinauf,
Psalter und Harfe, spielt auf!
Als Hyperschmäh der Überraschung
gab’s Hochzeitstorte zur Vernaschung.
*
Kaum sind die Jungen abgehaut,
der Probensaal wird umgebaut.
Die Frage ist im Klublokal,
wer nun gewinnt den Goldpokal.
Die meisten unsrer Sängerleut
hat dieses Spiel nicht sehr erfreut.
Sie mieden das WM-Gegröle
und zechten in der Graselhöhle,
um sich in letzten Spielminuten
zu Spaniens Siegestor zu sputen.
Allein zum Unterschied von allen
dem Dichter hat das Match gefallen.
Nur mit den Stars tat er sich schwer,
wo nimmt man da die Reime her?
Es reimt sich auf Lamine Yamal
nur etwas holprig der Pfarrball;
etwas leichter auf den Messi
sich reimen immerhin Espressi.
Doch stört euch eine meiner Lücken,
könnt ihr die rote Karte zücken.
*
Damit uns ja nicht werde fad,
sorgt diesmal ein Triumvirat.
Wie wird wohl das Dreikönigssingen
im sommerlichen Mold gelingen?
Drei Männer – damit fängt es an –
hier stellen diesmal ihren Mann.
Sie haben alle ihre Kanten,
die wir zumeist schon lange kannten.
Jetzt treten alle aus dem Schatten,
den sie bisher doch immer hatten:
aus dem des Gründervaters Franz
und Nikis, der Repräsentanz.
Wobei es ist originell,
dass Hannes, wenn auch partiell,
als Vater folgt dem eignen Sohn.
Er macht auch gar kein Hehl davon:
denn schickt er etwas in den Äther,
sagt er von sich ganz offen, tät’ er
dies wie der Pesl Nikolaus.
Man kommt halt ohne Sohn nicht aus.
*
Der Raimund hat von diesem Trio
wahrscheinlich doch das stärkste Brio.
Gleich sonntags das Auslesensingen,
wenn wir nicht gleich zusammenbringen,
was der aus Poysdorf nachkopiert,
wird von ihm umfunktioniert
zur Probe, was so nicht gedacht.
Wer wann und wie was anders macht,
drauf muss man sich zusammenraufen.
Es kann ja gar nicht anders laufen
als zwischen Stocker, Babler, Meinl:
Wer macht den Teig, wer rührt im Reindl?
Man sieht’s schon an den Liedermappen,
bei denen hin und her wir tappen
infolge dreier Liederblöcke,
die ausgeheckt die lieben Böcke.
Die Auswahl, die hier ward getroffen,
ließ letztlich keine Wünsche offen.
Der Hannes ging es an liturgisch,
der Raimund worldwide demiurgisch;
der Werner schließlich unentgeltlich
lässt singen geistlich wie auch weltlich.
Nicht nur Bonbons gibt’s von Casali
und nicht nur Schütz besteht die Quali.
Zudem ist nicht nur Kärnten reich
an Volksliedgut, auch Niederösterreich.
Schon länger das Warummel-Shirt
zu Werner Warums Outfit g’hört;
jetzt hat er sich eins zugelegt,
das zeigt auch, was ihn sonst bewegt:
„Ich höre Stimmen“ liest man da,
zweideutig, auch politisch, ja.
*
Ein Thema waren auch die Pausen.
Da gibt’s zum Schmusen oder Schmausen
die langen mit und ohne Steak,
hingegen die Hydration Break
dient zwischendurch dem kurz Verschnaufen.
Ob sich die Leut’ nicht gleich verlaufen?
Die Antwort drauf gibt nicht ein Schiri,
der andern richt’ die Wadeln firi.
Es ist die Zeit, die Tachles spricht,
zwei Stunden ohne gehen nicht,
man schickt uns – danke für den Reim –
schon um Dreiviertel neune heim.
*
Wie sieht der Alltag denn so aus
hier im Bezirksmaschinenhaus?
Es ist statt Sorgensäuferin
die Eva Morgenläuferin;
auch Hans betreibt den Morgensport
wie noch an jedem andern Ort;
und während andre aufstehn grade,
der Reinhold kommt bereits vom Bade.
*
Beliebt ist heuer das Gebet,
für das man gern auch früh aufsteht.
Entdeckt ward diesmal das Rondeau
und manche haben für’n Popo
ein Deckerl (weil’s ein bisserl hart schon),
welches man aufklappt wie ein Smartphone.
Der Hannes als Offiziant
ist hier als Philosoph bekannt.
Er hat gelesen Paul Ricœur,
worauf sich trefflich reimt Likör.
Doch Scherz beiseite, unser Hannes
legt vor ein Motto (er ersann es),
wie man zuerst die Dinge wahrnimmt,
dabei jedoch nicht alles bar nimmt,
was uns als Münze angeboten,
vielmehr es annimmt auszuloten.
So führt Erkenntnis statt zur Trennung
zur wechselseit’gen Anerkennung –
Volk begnadet für das Schöne –
bis zur Identität der Töne.
*
Schon piepst ein Bähnle in der Ferne
und man begibt sich nur zu gerne
zum Frühstück in den Speisesaal.
Schon Schnitzel klopft das Personal,
doch kurz vor neun zuletzt erscheint
Renate, und wer etwa meint,
sie habe sich verschlafen, irrt.
Sie hat für uns schon ausprobiert,
was sie gleich vorführt, gar nicht hastig,
im Hofe bei der Chorgymnastik.
Ich lass es damit hier bewenden.
Der Alltag würde niemals enden
und ihr wollt, dass ich euch nicht prelle
gerade ums Exzeptionelle.
*
Ich geh’ es an, scheint es auch komisch,
mit einem Vorspiel gastronomisch:
Wenn ich ein Eis mir holen muss,
so brauch’ ich keinen Bosporus;
wir haben ja das Gold’ne Horn
ganz nah als süßen Lebensborn.
Und ich muss fliegen nicht zum Mars,
hab ich doch um die Ecke Gars.
Von dem Konditor Ehrenberger
man scheidet nie mit Bärenärger.
*
So weit die heit’re Ouvertüre,
doch nun ich euch zu Ernst’rem führe,
nach Pulkau zu Sankt Michael,
und das war keine Pulkau schnell.
Mit leiser Stimme und bedächtig
es zeigte uns die Kirche prächtig
der Herr Professor Schröckenfuchs,
wie sie trotz vieler Schrecken wuchs.
Der größte Schrecken freilich war,
und dieses machte er uns klar,
wie einst die Kirche umgegangen
hier mit den Juden und befangen
sogar ein Papst war, der’s gebilligt
und Sühnezeichen hat bewilligt.
Dem Raimund fehlt die Distanzierung
von dieser einstigen Punzierung
und dem, was da auch heut noch los is.
Er lässt uns singen „Go down, Moses“.
*
Doch nun zu unserem zweiten Ziel,
dem’s auch nicht mangelt an Profil.
Dort, wo die vielen Zwerge seyn,
dort ist das Schloss von Greillenstein.
Auch hier ist manches einst geschehn,
das wir heut mit Befremden sehn.
Als noch nicht frei warn die Gedanken,
da traten einstens vor die Schranken,
die hier erhalten sind geblieben,
die Angeklagten, hergetrieben,
und manche endeten im Rachen
des kürzlich restaurierten Drachen.
Heut freilich geht’s um andre Dinge:
wie die Erhaltung wohl gelinge.
Die schlicht hier an der Kassa steht,
die Gräfin ist’s, Elisabeth,
so wie die Frau von unserm Kaisern,
eine geborne Prinzessin von Bayern.
*
Der Höhepunkt der Exkursionen,
nicht nur seit hier in Mold wir wohnen,
das Treffen war mit Oliver Maar,
der sich verschrieb mit Haut und Haar
den Werkelmännern. Die Begegnung
war weitaus mehr als nur Beregnung
mit Jahreszahlen und mit Namen.
Sie sprengt’ den musealen Rahmen,
und sang Maar das Fiakerlied,
nichts mehr den Chor vom Künstler schied.
*
Allen, die dahinterstanden,
dass wir so vieles Schöne fanden,
für ihre Mühe sei gedankt.
Ans Ende des Gedichts gelangt,
sei nochmals allen gratuliert,
die hier ein Fest hat hergeführt.
Auch jener sei zuletzt gedacht,
die es nicht mehr zu uns gemacht.
Manches heuer war umstritten,
und manches wurde auch erlitten.
Ich hoffe, das ist ausgebügelt
und für die Zukunft fest versiegelt.
Und offen ist, was jedes Jahr
noch aussteht nach dem Wolfgang Bahr:
Ein Zeitproblem war jenes Maissaus,
vor welchem manche nahmen Reißaus
schon vor dem Gottesdienst am Schluss.
Auch nachher droht ja noch Verdruss:
„Um acht Uhr dreißig fährt mein Zug“,
der Herbert hat gesprochen hugh.
Ich hoff, auch dieses wird gelingen,
und ihr lasst mich von Herzen singen:
Sag beim Abschied leise Cervus,
nicht Adieu und nicht Ade –
diese Worte tun nur weh.
Doch das kleine Wörterl Cervus
ist ein lieber letzter Gruß,
wenn man Abschied nehmen muss.
’s gibt jahraus, jahrein
an neuen Wein
und neue Liebelei’n.
Sag zum Abschied leise Cervus,
und gibt’s auch ein Wiedersehn:
Diesmal war es doch schön!
Bildungswerkstatt Mold
Freitag, den 24. Juli 2016
NGL: Neues Geistliches Lied
Auslesensingen: Wolfgang Paar hat die Auslese 1 von Werken früherer Singwochen kopiert, damit beim gemütlichen Beisammensein alle mitsingen können
demiurgisch: als Weltschöpfer (hier aber nur des Reimes wegen)
Casali: Giovanni Battista Casali, aus dessen Missa in G wir drei Stücke einstudierten und vortrugen
Hydration Break: kurze Unterbrechung im Match
Pulkau schnell: Anspielung an die Polka schnell
Werkelmänner: siehe wunderwerkel.at
nicht mehr: in memoriam Karl Zöchbauer
Herbert: Anspielung auf von Hermann Leopoldi gesungenes Lied. Herbert ist dank Wolfgangs Transport zum Bahnhof gut nach Haus gekommen.
Cervus: Anspielung an die von uns gesungene Motette „Sicut cervus“ (Wie der Hirsch) von Palestrina
Sag beim Abschied leise Servus: von Willi Forst und später von Peter Alexander gesungenes Lied. Die Schlusspassage hab ich ins Positive umgekehrt.
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