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Dreifaltigkeitssäule, 1715 |
Chronik Als in den
Jahren 1713 und 1714 in weiten Teilen des Landes die Pest ausbrach, gelobten die
Poysdorfer Bürger, eine Dreifaltigkeitssäule zu errichten, wenn der Ort von der
Seuche verschont bliebe. Die Gefahr war sehr groß, weil die Nachbargemeinden
bereits verseucht waren und der Ort an der Poststraße von Wien nach Mähren ein
"Kontumazort" war: Durchreisende mussten sich damals vor der Weiterreise vier
Wochen in Quarantäne begeben.
Nach der Grundsteinlegung 1715 begann der Wiener Bildhauer
Rochus Mayrhofer mit den Arbeiten an der 10m hohen Säule, die auf einem 3m hohen
Sockel ruht und von einer achteckigen reich verzierten Einfassung umgeben ist. Der Marktschreiber
Johann Georg Kreitzer hielt den Grund für die Errichtung der Säule auf dem Sockel in Versform fest:
"Sobald die Gemeind allen
in Gelübd einig war,
Schickt die Drey Einigkeit
von oben Hilfe dar."
Die Kosten für die Errichtung der Säule betrugen 1.700 fl. (Gulden), die großteils von den Bürgern des Marktes gesammelt und teilweise
aus der Gemeindekasse bezahlt wurden. Dank der einstigen k. k. Postmeisterstöchter Anna Katharina und ihrer Schwester Maria Magdalena Hartl,
die ihr Erbe der Dreifaltigkeitssäule vermacht hatten, konnten die göttlichen
Personen und die Engel vergoldet werden.
Im Laufe Jahrhunderte wurde die Säule mehrmals
restauriert: u.a. im Cholerajahr 1832, dann 1932, 1967, 1989 und zuletzt 2020. Die
Restaurierungsarbeiten wurden von der Fa. "Restauration Company" aus Königshof,
Bgld. durchgeführt. Die gänzlich neu renovierte Säule wurde am 13. September 2020 im
Rahmen einer Feldmesse unter zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung von Stadtpfarrer Bernd "Kolo" Kolodziejczak gesegnet.
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Beschreibung Die aus Zogelsdorfer
Sandstein gefertigte 10m hohe Säule ruht auf einem 3m hohen Sockel. An den vier
Flanken des Sockels befinden sich Reliefs, die die Pestheilige Rosalia in einer
Grotte ruhend (N), den Sündenfall im Paradies (O), die Erlösung der Menschheit
durch den Kreuzestod Christi (W) und das Poysdorfer Marktwappen (S) darstellen.
Auf dem Sockel stehen die vier Pestpatrone Sebastian, Franz
Xaver, Karl Borromäus und Rochus. Das Wappen an der Vorderseite der Säule ist
jenes des Hauses Liechtenstein. Wolkenbalken und Engel umgeben die schlanke
Säule, an deren Spitze die Hl. Dreifaltigkeit thront. Zu ihren Füßen steht die
Gestalt der Jungfrau Maria. |
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Adam und Eva verlassen das
Paradies nach dem Sündenfall |
Wappen der Marktgemeinde,
darunter die Jahreszahen 1715, 1832 und 1932 |
Erlösung der Menschheit durch
den Kreuzestod Christi |
Sebastian Märtyrer
* Mailand
† 288 (?) Rom
Seine Jugend verbrachte Sebastian in Mailand und wurde später
zum Offizier der Leibwache von Kaiser Diokletian ernannt. Der Legende nach hatte sich Sebastian am kaiserlichen Hof öffentlich
zum Christentum bekannt und notleidenden Christen geholfen. Daraufhin ließ ihn Diokletian, bekannt als
einer der berüchtigsten Christenverfolger, an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen. Nach der Überlieferung wurde Sebastian als Märtyrer in den Katakomben an
der Via Appia in Rom beigesetzt, wo eine Zeit lang auch Petrus und Paulus
verehrt worden sein sollen.
Patronat: Sebastian ist einer drei Schutzpatrone von
Rom und Schutzpatron von Rio de Janeiro. Er wird gegen die Pest und andere
Seuchen sowie als Schutzpatron der Brunnen angerufen. Sein Kult erwuchs vor
allem seit dem Schwarzen Tod in der Mitte des 14. Jhdts.
Attribute: Pfeile, die seinen Körper durchbohren
(Symbol für die Pest); an
Baumstamm gebunden
Gedenktag: 24. Jänner
Bauernregel:
"Verschließt tiefer Schnee zu Sebastian die Saaten, wird unser täglich Brot gut
geraten." |
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Franz Xaver Glaubensbote in Indien und Ostasien
* 7. April 1506 auf der Burg Xavier bei Pamplona in Spanien
† 3. Dezember 1552 bei Kanton in China
Don Francisco, Sohn einer baskischen Adelsfamailie, studierte
zunächst in Paris, wo er mit Ignatius von Loyola ein Gelübde zur Gründung des
Jesuitenordens ablegte. Als Missionar des Ordens brach er 1543 nach Indien auf,
um das Evangelium zu verkünden. In Goa an der Südspitze Indiens baute er
Missionszentren auf, bekehrte dort die Perlenfischer und nahm sich der getauften
Christen in Krankeit und Not an. Sein größtes Ziel wäre die Missionierung Chinas
gewesen. Doch er kam nur bis zur Küste, wo ihn ein schweres Fieber befiel. Nach
nur zwei Wochen verstarb er qualvoll am 3. Dezember 1552. Franz Xaver wurde 1619
selig und 1622 heilig gesprochen.
Patronat: Patron von Indien, der Missionare, der
Seefahrer, gegen Sturm und Pest
Attribute: Wird in der Kleidung eines Priesters
dargestellt mit der Bibel in der linken Hand, oft auch mit Kruzifix oder
Lilienstengel
Gedenktag: 3. Dezember
Bauernregel:
"Der Xaver holt den Winter her."
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Rochus von Montpellier Pilger
* um 1349 in Montpellier in Frankreich
† 16. August um 1379 in Montpellier in Frankreich
Der früh verwaiste Rochus verschenkte sein großes Vermögen an
Arme und trat in den Franziskanerorden ein. 1317 pilgerte er nach Rom und heilte
unterwegs viele Pestkranke. Auf der Rückreise erkrankte er selbst an der Pest.
Er betete und zog sich in eine einsame Holzhütte im Wald zurück. Dort wurde er
der Legende nach von einem Engel gepflegt und ein Hund brachte im solange Brot
und leckte seine Pestbeulen, bis er wieder genesen war. Als er wieder nach
Montpellier kam, erkannte ihn auf Grund seiner Pestnarben niemand und er wurde
als Spion verdächtigt in den Kerker geworfen, wo er nach fünf Jahren verstarb.
Erst nach seinem Tod wurde er an seinem kreuzförmigen Muttermal auf seiner Brust
wiedererkannt.
Als Schutzheiliger der Pestkranken genoss Rochus schon Anfang
des 15. Jahrhunderts in Zeiten der mittelalterlichen Pestepidemien große
Verehrung. Seine Reliquien befinden sich seit 1485 in der Kirche San Rocco in
Venedig.
Patronat: Schutzpatron von Montpellier und Venedig, der Ärzte, Chirurgen, Apotheker, ...
gegen Pest, Cholera, Tollwut, Tierseuchen
Attribute: Darstellung als Pilger mit Pilgermantel und
Muscheln am Schulterkragen, Pilgerhut, oft auch Pilgerstab, Hund mit Brot im
Maul, Pestbeule am Oberschenkel
Gedenktag: 16. August
Bauernregel: "Wenn St.
Rochus trübe schaut, kommt die Raupe in das Kraut."
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Karl Borromäus
Abt in Arona, Erzbischof von Mailand, Kardinal, 1610 heiliggesprochen
* 2. Oktober 1538 in Arona am Lago Maggiore in Italien
† 3. November 1584 in Mailand
Als Verwandter des norditalienischen Adelsgeschlechts der
Medici wurde er bereits als Knabe zum Klosterabt von Arona beziehungsweise 1560
von seinem Onkel Papst Pius IV. zum Kardinal und Erzbischof von Mailand ernannt. Als in Mailand 1576 die Pest ausbrach, richtete er im Erzbischöflichen Palais ein Spital ein und pflegte die Kranken persönlich.
Er selbst blieb von der Pest verschont, erlag aber im Alter von nur 46 Jahren einem Fieberanfall, den sein von der unermüdlichen Arbeit geschwächter Körper nicht überwinden konnte.
Patronat: Schutzpatron der Universität Salzburg und der Seelsorger, Schutzheiliger der Pestkranken
Attribute: Kardinalshut, Kruzifix Gedenktag: 4. November Bauernregel:
"Wenn's an Karolus stürmt und schneit, dann lege deinen
Pelz bereit." |
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Quellen:
Mattner, J. (1974) Geschichte der Stadt Poysdorf und ihrer Katastralgemeinden
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Bildnachweis:
© 2020-2021 | GeWeFoto | G. Wlaschitz |
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