Das Kapuzinerkloster in Poysdorf
von Franz Thiel
herausgegeben im Dezember 1936 in der Zeitschrift "Unsere
Heimat" (Jahrgang 9, Nr. 12),
durch Überschriften gegliedert, ergänzt und an die neue Rechtschreibung angepasst
durch W. Paar
Ergänzende Informationen werden in einer anderen Farbe angezeigt.
Die große Bedeutung der Predigt und der Kinderlehre für die Verbreitung und Vertiefung des religiösen Lebens erkannte man bei uns zu Beginn des 17. Jahrhunderts; nur mangelte es an geeigneten Geistlichen für diesen Zweck, weil viele Pfarrer die Pflichten nicht ernst nahmen, obwohl der Fürst Gundacker von Liechtenstein (1580 – 1658) mit allem Nachdruck die Belehrung des Volkes durch die Geistlichkeit forderte. Schon 1632 sollte in Mistelbach ein Kapuzinerkloster erbaut werden, weil dieser Orden über gute Prediger und Lehrer verfügte, die bei der Landbevölkerung sehr beliebt waren.
Die folgenden Kriegsereignisse ließen den Plan einer Klostergründung vergessen; erst nach 40 Jahren gelang es dem erwähnten Orden, in Poysdorf eine anfangs bescheidene Niederlassung zu errichten. Der Superior Hugo von Prisgoi erschien mit fünf Brüdern aus dem Kapuzinerorden in Poysdorf und nahm im Bürgerspital Wohnung, während die Ortsarmen im Rathaus untergebracht wurden. Die Ankunft der Mönche, die unterschiedlichen Mahlzeiten und die bauliche Veränderung des Spitals verursachten der Marktgemeinde größere Auslagen, die in den Jahren 1673, 1674 und 1675 bezahlt wurden. Die Barbarakapelle war ihre "Klosterkirche" Rasch gewöhnten sie sich in die Verhältnisse Marktes ein, sodass man noch in demselben Jahre von dem Bau eines Klosters in Poysdorf sprach.
Da führten aber die Franzsikaner in Zistersdorf über diese Niederlassung Beschwerde, weil sie zu nahe bei Zistersdorf wäre und sie dadurch einen nicht unbedeutenden Schaden erlitten; denn beide Orden waren ja auf die Mildtätigkeit des Volkes angewiesen und bestritten ihren Lebensunterhalt durch Sammlungen, die sie in den einzelnen Gemeinde durchführten. Eine Kommission, die von Wien kam, um den Streitfall zu schlichten, konnte nichts ausrichten, und verließ unseren Markt unverrichteter Dinge. Der Marktrat und der damalige Pfarrer von Poysdorf traten auf die Seite der Kapuziner; der erstere "attestierte" im November 1673, dass sie nicht in den Markt eingedrungen und niemand sich im Markte über sie beklagte. Im Gegenteil sollten sie nur hierbleiben und bestätigt werden. Im gleichen Sinn schrieb der Pfarrer Rienecker, der in einem Briefe der Freude Ausdruck gab, dass der Markt die Kapuziner verlange und sie sollten nur bald kommen.
Die Franziskaner in Zistersdorf stützten sich auf eine päpstliche Bulle, die ihnen die ganze Gegend, darunter auch den Markt Poysdorf, zugesprochen hatte. Daraufhin reist sogleich der Wiener Provinzial Ildefons nach Rom zum Papst und erwirkte hier eine Erlaubnis, in Poysdorf ein Kloster bauen zu dürfen, nur sollte der Orden sich zwei Jahre gedulden und über den Streitfall nicht in der Öffentlichkeit sprechen (dies gelte auch für die Franziskaner). Nun erschien der Passauer Offizial Graf von Thurn mit seinem Notar in Poysdorf und vernahm persönlich die Aussagen und Berichte der geistlichen und weltlichen Parteien aus den umliegenden Ortschaften. Das Ergebnis scheint sehr günstig gewesen zu sein, weil von Rom 1675 die Klostergründung in Poysdorf dem Orden gestattet wurde.
Die Geldfrage machte keine Schwierigkeiten, weil der Graf Ernst von Mollard und Reinegg in seinem Testament dem Orden 20.000 bis 30.000 Gulden mit der Bestimmung hinterlassen hatte, ein Kloster in einem Orte des Landes unter die Enns zu erbauen, wo es am füglichsten und nützlichsten wäre, nur müßten die Mönche seiner und seiner ganzen Familie ewig im hl. Messopfer gedenken
Franz Stubenvoll aus Poysbrunn hat in der Publikation "Heimat im Weinland", einem Beiblatt zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, in der Ausgabe Jahrgang 1982/2 auf den Seiten 109ff seine Recherchen zum Kapuzinerkloster veröffentlicht:
Aus der Geschichte des Ordens
Der Bettelorden der Franziskaner, der 1209/10 vom hl. Franz von Assisi (1181/82 - 1226) gegründet worden war, entfaltete sich in mehreren Zweigen. Die wichtigsten von ihnen sind die Minoriten, die Franziskaner und die Kapuziner. Der Kapuzinerorden entstand um 1525 durch Matthäus von Bascio (1492 -1552) in Italien. Er widmete sich der Seelsorge und dabei besonders auch der Wiedergewinnung Abgefallener. 1593 wurde er nach Innsbruck und Salzburg gerufen, 1599 nach Wien, wo er 1622 in der Innenstadt Kirche und Kloster erhielt (Kalsergruft!). Die vom hl. Laurentius von Brindisi (1559 -- 1619) in Prag und Wien errichteten Klöster wurden die Keimzelle der österreichisch-böhmischen Kapuzinerprovinz, die 1673 in eine böhmlsche und österreichische Provinz geteilt wurde. Die nach 1918 verbliebenen Ostösterreichischen Gebiete wurden 1921 zur Wiener Provinz vereinigt, die 16 Niederlassungen besitzt.
Die Kapuziner in Niederösterreich: im 18. Jh. gab es in NÖ folgende Kapuzinerklöster: Bruck/L., Hollabrunn, Korneuburg, Krems/Und, Mödling, Poysdorf, Scheibbs, Schwechat, Tulln, Waidhofen/Th., Waidhofen/Ybbs, Wr. Neustadt. Mit Ausnahme des letztgenannten und des Wiener Klosters wurden sie alle von Kaiser Joseph II. aufgehoben.
Für den Bezirk Mistelbach waren die Klöster in-Poysdorf und in Nikolsburg (Böhmische Provinz) von besonderer Bedeutung.
Ziel des neuen Ordens war die Rückkehr zur ursprünglichen Armut und Strenge des hl. Franz von Assisi. Der Kapuzinerorden hat durch seine Volksverbundenheit in Predigten, Volksandachten, Armenpflege und Erziehung armer Kinder außerordentlich segensreich im Geiste der katholischen Erneuerung gewirkt, hauptsächlich bei den einfachen Schichten des Volkes. Seinen Namen erhielt er von der langen, spitzen Kapuze, die mit dem rauhen braunen Habit und der Barttracht die Ordensmitglieder kennzeichnet.
Der Bau des Klosters 1677 – 1681
Als Vorbild für das Gebäude wählt man den Plan des Klosters in Scheibbs und als Platz die Anhöhe draußen beim Wetzelsdorfer Tor, wo die fünf großen Scheunen standen, die dem Wilfing, Lambacher, Rietmüller und Dötz gehörten, (der fünfte Besitzer ist nicht angegeben). Ein Bürger, der gegen den Bau war und die anderen zum Widerstand aufhetzte, erkrankte kurze Zeit darauf, und seine Frau klagte seither ständig über Schwerhörigkeit. Weil die angrenzenden Gärten und Grundstücke den passauischen Untertanen gehörten, musste der Orden auch das Rentamt in Königstetten befragen. Gekauft wurde ein Gartl um 50 fl (Gulden), eines um 25 fl, ein Stadel um 220 fl, ein Stadel, ein Presshaus und ein Platz um 125 fl, ein Stadel und ein Platz um 220 fl, ein Platz um 100 fl, ein Stadel, ein Platz und ein Holzschupfen um 500 fl und ein öder Platz um 20 fl. Die Besitzer der Stadeln und Gründe erhielten die Felder, die weiter gegen Wetzelsdorf lagen und ihnen dienst- und zehentfrei überlassen wurde. In einem Kriegsfalle sollten die neu erbauten Stadeln, wenn sie dem Feinde einen Vorteil bieten würden, sogleich niedergerissen werden, doch verpflichtete sich die Gemeinde in einem Vertrage vom 27. August 1676, die Scheunen auf ihre Kosten aufzubauen; denn sie lagen im Bereich der Schanz, die den Markt im Süden schützte. Davon leitet sich auch die aktuelle Straßenbezeichnung "Auf der Schanz" ab.
In der Poysdorf-Chronik von Johann Steyrer wird von einem Besuch berichtet:
Im Jahr 1962 besuchte der damalige Provinzial der Kapuziner in Wien die baulichen Reste des Kapuzinerklosters von Poysdorf. In einem Besuchsbericht ist eine Aufstellung des Provinzials P. Dr. Kajetan Fröhlich zitiert:
Erstlichen, den 17. December Anno 1676, würdt vor die Bläz und Städl, alwo das Closter gebauth wirdt, denen nachbeschriebenen Bürgerlichen Nachbarn allhie im Markht Poysdorff vermög ordentlichen Kaufschluß bezahlt, als den
| Johann Jocob Lampacher | 50 fl |
| Andre Denkh | 25 fl |
| Zacharias und Mathias Wilffing | 220 fl |
| Johann Riethmillner | 250 fl |
| Andre Törz | 220 fl |
| Nicolaus Kniebekh | 100 fl |
| Georg Hueber | 500 fl |
| Ihr hochwürden Herr Pfarrer | 36 fl |
| Hanns Grueber | 150 fl |
| Thobias Rieder | 20 fl |
Latus et Summa was alhie vor die Stätl und Bläz
ausgegeben worden 1571 fl.
(Aus der Raitting --- über den Empfang und Ausgab der Ehrwürdigen Herrn P.P.
Capuziner alhie im Markht Poysdtorff angefangenen Closter Gebau, von 2. August
1676 bis den 14. Aug. 1677 betr vom Zacharias Wilffing.)
In dieser obigen Aufstellung sind jene Grundbesitzer angeführt, die einen Acker oder eine Scheune hatten, wo das Koster erbaut wurde. Dies sind jene Hausbesitzer, die am Beginn der Laaer Straße wohnten und damals Halblehner waren. Ihre Äcker gingen durch bis zum Zellerkreuz. Diese Eigentumsverhältnisse sind zurückzuführen auf die Anlage des Ortes Poysdorf als Angerdorf. .
Im Frühjahr 1677 begannen die Erdarbeiten und am 3. Mai konnte der Grundstein gelegt werden (nach dem Gemeindegedenkbuch war es der 8. Mai). Es war ein schöner Frühlingstag, der warme Sonnenschein und die erwachende Natur passten zu dem festlichen Tage, der viele Bewohner aus den umliegenden Ortschaften herbeilockte; leider schlug die Witterung plötzlich um, es erhob sich ein Sturmwind, der mit ungeheurer Stärke über die Felder dahinbrauste, Häuser abdeckte, Bäume niederriss und überall einen bedeutenden Schaden anrichtete. Die festliche Stimmung war mit einem Schlag gestört. Der Bau schritt in den folgenden Monaten rasch weiter, sodass im Herbst der Dachstuhl aufgesetzt werden konnte. Die große Wohltäterin, Gräfin Maria Elisabeth von Mollard, spendete dem Klosterbau folgende Beträge:
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am 3. Juli 1676 |
3000 fl |
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am 16. Jänner 1677 |
3500 fl |
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am 29. April 1678 |
2000 fl |
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am 21. Juni 1678 |
1000 fl |
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am 17. Oktober 1679 |
2300 fl |
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am 11. Juli 1680 |
500 fl |
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Summe |
12300 fl |
Auszugsweise seien hier einige Ausgaben in der Zeit vom 2. August 1676 bis 14. August 1677 angeführt:
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Für den Platz und die Stadeln vor dem Markte |
1571 fl |
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die Steinbrecher |
846 fl |
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für Bauholz und Ziegel aus Falkenstein |
600 fl |
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für 27.600 gebrannte Ziegel (1000 Stück = 5 fl) |
138 fl |
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den Holzhackern (Taglohn 15 kr) |
47 fl |
30 kr |
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Ausschlaggeld den Holzforstnern für 768 Stämme |
38 fl |
24 kr |
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den Maurern |
222 fl |
53 kr |
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den Handlangern |
199 fl |
14 kr |
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den Zimmerleuten |
80 fl |
13 kr |
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für Kalk |
227 fl |
30 kr |
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fünf Fuhren Heu |
16 fl |
30 kr |
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für einen mit Eisen stark beschlagenen Wagen |
35 fl |
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für die Glocke |
110 fl |
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Summe |
20.765 fl |
30 kr |
Die Pest, welche 1679 in der Umgebung wütete, hinderte den Bau sehr stark, weil einzelne Gemeinden von jedem Verkehr abgesperrt waren, so zum Beispiel war Poysbrunn von der Umgebung vollständig gemieden. Zwei Kapuziner, die im gleichen Jahre starben (nicht an der Pest), fanden in der Gruft der hiesigen Pfarrkirche ihre letzte Ruhestätte.
Am 15. März 1682 beteten die Mönche zum ersten Male im Chor und am 18. April konnte vor dem Kloster das große Holzkreuz aufgestellt werden. Am 27. Mai spendete eine Wohltäterin ein schönes Marienbild, das sich einer großen Verehrung erfreute. Als 1687 ein kranke Frau Hilfe und Erhörung bei diesem Bilde erlangte, sodass sie gesund wurde, strömten viele Gläubige herbei, um vor dem Bilde ihre Andacht zu verrichten.
Im Jahre 1683 schritt der Bau wieder vorwärts. Als der Orden beim niederösterreichischem Salzamt um eine Salzbeihilfe ansuchte (1683), wurde ihm diese für dieses und die folgenden Jahre bewilligt; Anteil an dieser Spende hatten die Klöster in Poysdorf, Mödling, Wr. Neustadt, Bruck, Tulln, Korneuburg, Hollabrunn und Waidhofen/Thaya.
1684 starben wieder 2 Mönche. Weil das Trinkwasser im Markte einen saliterigen Geschmack hatte, baute sich das Kloster eine eigene Wasserleitung von der Bründlkirche, da hier ein Schwefelwasser hervorquillt. In einem Revers verpflichtete sich der Orden, diese Leitung sofort abzubrechen, wenn die Wallfahrtskirche Schaden leiden sollte.
Das Wirken der Mönche 1682 – 1710
Die Mönche unterstützten die Pfarrgeistlichen in der Umgebung, sie erschienen in Erdberg, Wilfersdorf, Walterskirchen, wenn sie als Messeleser oder als Beichtväter verlangt wurden; sie buken die Hostien für die Pfarrkirchen, sogar von Ober-Sulz holte man diese in Poysdorf. Es war allgemeiner Brauch in der ganzen Umgebung, dass die Seelenmessen für die Verstorbenen bei den Kapuzinern in Poysdorf oder bei den Franziskanern in Zistersdorf gelesen wurden; größere Beträge setzten die Gläubigen für diesen Zweck in ihrem Testamente aus, die dem Kloster überwiesen wurden. Dies taten die Bürger und Bauern, auch der Adel und die Herrschaften dachten an das Kloster. So ließ 1789 die Herrschaft Wilfersdorf 100 Seelenmessen in Poysdorf lesen. Die Gräfin Katharina von Mollard war eine große Wohltäterin der neuen Klostergründung, nie schlug sie eine Bitte oder ein Ansuchen der Mönche ab, wenn sie um eine Unterstützung baten.
Zur Lese- und Erntezeit und wenn die Bauern schlachteten, gingen die Kapuziner von Haus zu Haus sammeln; in gesegneten Jahren gab der Bauer reichlicher den Brüdern von seiner Fechsung, in schlechten Jahren konnten man nicht viel erhoffen, doch leer zogen sie nie von dannen.
Am 30. November 1691 weihte der Bischof Losenstein die Klosterkirche, die dem hl. Antonius von Padua geweiht war, deshalb feierte man auch alljährlich am 13. Juni in feierlicher Weise das Antonifest im Markte und setzt diesem Heiligen zu Ehren Statuen, sodass die Annahme wohl gerechtfertigt ist, dass die Kapuziner die Verehrung dieses Heiligen in der Gegend förderten.
Feierte der Markt Wilfersdorf auf dem "Myrrhenberg" das Dominikfest, zu dem viele Gläubige aus dem Zayatal herbeiströmten, so ließ die fürstliche Herrschaft von Poysdorf zwei Kapuziner und von Zistersdorf vier Franziskaner abholen, damit sie beim Beichthören und bei dem Hochamte aushelfen. Ebenso erschienen sie zum Magdalenafest, das im Schloss festlich begangen wurde. Das Kloster erfreute sich auch der hohen Gunst der fürstlichen Familie Liechtenstein, nahm an der traurigen und freudigen Ereignissen des fürstlichen Hauses regen Anteil, gedachte der verstorbenen Fürstlichkeiten beim Gottesdienst und las stets anlässlich der Geburt eines Prinzen ein feierliches Hochamt. Dafür erhielt es Brennholz aus den Rabensburger Waldungen, Fische aus den großen herrschaftlichen Teichen und Kuchelspeis aus den Kastenamt.
Der Neubau nach dem Brand 1710
Bei dem großen Brande am 16. Mai 1710, der den ganzen Markt bis auf 30 Häuser einäscherte, wurde auch das Kloster ein Raub der Flammen, sodass nur die Mauern erhalten blieben. Die Mönche übersiedelten wieder in das Bürgerspital bei dem Brünnertor. Sofort gingen sie mit allem Eifer an den Neubau, der dank der vielen Spenden, auch durchgeführt wurde.
Es liefen größere Geldbeträge ein, so zum Beispiel
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von der fürstlichen Witwe Maria Elisabeth von Liechtenstein |
100 fl |
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vom Fürsten Schwarzenberg |
500 fl |
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vom Fürsten Adam Andreas von Liechtenstein |
500 fl |
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vom niederösterreichischen Landschafts-Weinaufschlageinnehmer |
100 fl |
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vom Pfarrer in Laa |
100 fl |
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vom Pfarrer in Gaubitsch |
50 fl |
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ebensoviel von dem bürgerlichen Bindermeister Johann Schmidt (die Summe hatte ihm sein Schwager, der Bindermeister in Mistelbach war, im Testamente vermacht) |
50 fl |
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von dem Poysdorfer Marktrichter Stärzer |
2 fl |
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vom Großkruter Pfarrer von Mangen |
20 fl |
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von dem Poysdorfer Stoiber |
3 fl |
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von dem Pfarrer in Ameis |
12 fl |
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von dem Grafen Althan von Joslowitz |
30 fl |
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von dem Poysdorfer Tobias Pöltinger |
9 fl |
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von dem Kremser Dechant |
4 fl |
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von dem Poysdorfer Eisenhändler Michel Huber |
200 fl |
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später noch |
350 fl |
in der Liste der Spender finden wir noch die Pfarrer von Bernhardsthal, von Staatz, Fallbach und den herrschaflichen Buchhalter von Wilfersdorf. Neben Geldspenden gingen auch Baumaterialien ein, und zwar gab die Wilfersdorfer Herrschaft 40 – 50 Stämme, die Ladendorfer 50, der Wilhelmsdorfer Bauer Matthias Maydt 20 und später 126, die groß und klein waren, der bürgerliche Lebzelter Sebastian Pauer von Laa 137, der Bindermeister Zacharias Hold 105, aus dem fürstlichen Wald "Moosang" führten noch mehrere Wohltäter (Peter Axter, Michael Möderler, Michael Müller, Zacharias Hold und Wilfersdorfer Herrschaft) Holz herbei, sodass 957 Stämme für den Neubau zur Verfügung standen.
An Baumaterialien wurden gebraucht: 3957 Stück Ziegel- und Schindellatten, 24.000 Schindeln, 3640 föhrene Laden und 37.000 Mauer- und Falzziegel.
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Die Zimmerleute erhielten für die geleistete Arbeit |
1486 fl |
37 kr |
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die Maurer |
347 fl |
19 kr |
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die Handlanger |
411 fl |
9 kr |
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die Schlosser |
172 fl |
34 kr |
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die Glaser |
171 fl |
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die Poysdorfer Tischler |
145 fl |
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und die auswärtigen |
58 fl |
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die Hafner |
63 fl |
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die Schmiede |
60 fl |
30 kr |
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der Wagner |
5 fl |
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der Seiler |
11 fl |
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der Drechsler |
10 fl |
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für 618 Metzen Kalk |
269 fl |
16 kr |
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und für 88.400 Dachziegel von der Walterskirchner Herrschaft (1000 Stück kosteten 12 fl) |
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der Dachdecker |
124 fl |
Das Hochaltarbild des hl. Anton von Padua kostete 400 fl, die beiden Flügelbilder und die des hl. Petrus und Paulus 200 fl, das Bild Mariahilf, das teilweise verbrannt war und nur ausgebessert wurde, 25 fl, und die Kanzel 40 fl. Die notwendigen Steine für die Altäre bezog das Kloster von Eggenburg, den Franziskus-Altar ließ die Fürstin Maria Elisabeth von Liechtenstein auf eigene Kosten herstellen (es war die Arbeit eines Wiener Tischlers), den Floriani-Altar spendete ein Poysdorfer Bürger Tobias Anton Pöltinger; der Katharina-Altar, der auch teilweise beschädigt war, wurde ausgebessert; er befand sich in einer Kapelle. Der Orden schaffte auch ein Bild des Johann von Nepomuk an, es war das erste im Markte. Über der Eingangstür sah man das große Gemälde "Die Kreuzigung Christi".
Im einzigen Turm der Klosterkirche hing die Glocke, die ein Gewicht von 156 Pfund hatte. Das Kreuz konnte auf dem Glockenturm am Jahrestage des großen Brandes (16. Mai 1711) in feierlicher Weise aufgesetzt werden.
Das Wirken der Mönche 1711 – 1788
Im Jahre 1715 bekam das Kloster von der fürstlichen Herrschaft in Rabensburg 10 Klaster Holz, 23 Zentner Karpfen und 5 Metzen Kuchlspeis.
Die Scheunen neben dem Kloster waren ein Schmerzenskind des Marktes und der Kapuziner, weil die Bauern gerade hier ihre Holzstadeln errichteten, die für den Markt eine ständige Gefahr bedeuteten; denn in einem Kriegsfalle müssten sie niedergerissen und dann auf Kosten der Gemeinde, die damals mit großen Geldsorgen zu kämpfen hatte, aufgebaut werden. Schon vor 2 Jahrzehnten ließ die Wilfersdorfer Herrschaft dem Paul Molzer den Bau einstellen, da der Markt deswegen Beschwerde geführt hatte. Nun errichtete 1719 ein Heber Matthias einen neuen, der ganz nahe beim Kloster stand und bei einem Brande diesem gefährlich werden konnte. Dem Verlangen der Kapuziner, dass er niedergerissen werde, entsprach die Kommission nicht, doch verbot sie jeden Neubau von Holzstadeln bei Wetzelsdorfer Tor.
Den Einnahmen des Klosters in der Höhe von 6066 fl standen Ausgaben von 6057 gegenüber (1713). In der Pfarrkirche legte es eine Gruft für die verstorbenen Ordensgeistlichen an, wozu man 1700 Steine brauchte, die 520 fl kosteten; ein Poysdorfer Bürger Anton Pöltinger spendete für diesen Zweck 100 fl.
Dem Beispiele der Wilfersdorfer Herrschaft, die alle Jahre zahlreiche Seelenmessen für die verstorbenen Mitglieder des fürstlichen Hauses in Poysdorf und in Zistersdorf lesen ließ, folgten nun auch die Bürger von Mistelbach; es gehörte dieser Brauch förmlich zur Christenpflicht, sodass das Ansehen der Poysdorfer Kapuziner in den einzelnen Gemeinden von Jahr zu Jahr wuchs. 1726 erbauten sie unter dem Klostergebäude einen großen Keller, der noch eine Sehenswürdigkeit ist.
Die nächsten Jahre waren dem Ausbau und der Verschönerung des ganzen Baus gewidmet, da einzelne Wohltäter größere Beträge hierfür spendeten. So stiftete Anton Pöltinger 1733 den neuen Marien-Altar, 1734 widmete Theresia Pöltinger 250 fl für einen Altar und 181 fl für eine neue große Monstranz, weil die alte zu klein war. 1738 entdeckten die Brüder im Klostergarten eine ergiebige Quelle, sie sehr gutes Trinkwasser lieferte. 1742 ließ der Guardian den großen Speisesaal mit neuen Tafelbildern schmücken und 1743 entschloss man sich zu einem größeren Umbau, weil eine Bücherei untergebracht werden musste, zu welcher der Gaubitscher Pfarrer – ein großer Wohltäter unseres Klosters – den Grundstock in Form einer Büchersammlung gab. Dazu spendeten die Walterskirchner Herrschaft 2000 Mauer- und 2000 Dachziegel, die Staatzer 1000, die Mistelbacher Barnabiten 1000 Mauer- und 100 Hohlziegel, der Bäcker Heinrich Mayer in Poysdorf auch 1000 Stück, die Mistelbacher Gemeinde und der Graf Trautson von Falkenstein das notwendige Bauholz; all dieses Material führten Bauern von Poysdorf, Wilhelmsdorf, Habersdorf, Ameis, Wetzelsdorf und Ketzelsdorf unentgeltlich herbei, nur Speise und Trank verlangten sie. In der grimmigsten Kälte fuhren sie nach Steinabrunn um Kalk und Bausteine, damit zeitlich im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden konnte. Nach Ostern begannen die Arbeiten und im August war alles fertig. Die Bücherstube, die drei Fenster, zwei Ofen und zwei eiserne Türen hatte, lag oberhalb der Sakristei; außerdem ließ der Guardian eine Holz- und Waschkammer errichten und einen Kanal zum Poybach anlegen, da früher der Schmutz neben den Häusern stehen blieb und sich im Sommer ein übler Geruch verbreitete. Die Ausgaben für den Umbau betrugen 1762 fl 36 kr. 1745 schaffte das Kloster eine größere Menge neuer Kirchenwäsche an. In diesen Jahren feierten drei neugeweihte Priester ihre Primiz in der Klosterkirche. Im folgenden Jahre wurden die Altäre und der Tabernakel beim Hochaltar hergerichtet, neue Beichtstühle aufgestellt und neue Fenster in der Kirche eingesetzt.
Eine seltene Feier sah der Markt 1746, als zwei Protestanten, die sich bekehrt hatten, in die katholische Kirche mit großer Prachtentfaltung aufgenommen wurden. Die Herrschaft Wilfersdorf spendete schon seit etlichen Jahren dem Kloster Enten, Gänse und Kapauner oder, wenn sie solche nicht hatte, eine entsprechende Geldsumme.
Bei dem großen Sturm, der 1749 in der ganzen Gegend einen nicht unbedeutenden Schaden anrichtete, wurde das Holzkreuz vor dem Kloster umgeworfen. Da es schon unbrauchbar war, stellte der Guardian ein neues auf, das 15 fl kostete. Die großen Heuschreckenschwärme, die im Sommer erschienen, machten in den Weingärten keinen Schaden, wohl aber an den Fluren. Die Bewohner suchten sie zu vertreiben, indem sie die Kirchenglocken läuteten, mit Gewehren schossen und einen großen, ohrenbetäubenden Lärm erzeugten.
Weil der Kosterkeller zu klein war, wurde 1750 ein neuer in der "Gstettn" gegraben, der noch heute zu den größten in der Stadt gehört. Für den Sammelmost kaufte der Guardian vier Fässer a 60 Eimer, ein Zeichen, dass das Ergebnis der herbstlichen Sammlung stets ein gutes gewesen sein muss. Die Bausteine zum Keller, die einen Wert von 500 fl hatten, spendete der Graf Trautsohn von Falkenstein. Der Weltgeistliche Lettner vermachte in seinem Testamente den Kapuzinern einen Teil seines Vermögens, sodass im Speisesaal ein neuer Fussboden gelegt und "novas tabulas" (neue Tische) angekauft werden konnten. Im gleichen Jahre (1750) verzeichnete das Gedenkbuch mit Befriedigung, dass in der Klosterkirche allein 26.000 Beichten gezählt wurde, eine sehr hohe Zahl für jene Zeit.
Als 1760 der Walterskirchner Pfarrer auf eigene Faust einen Umbau seiner Pfarrkirche vornahm, den er selbst leitete, halfen ihm die Poysdorfer Kapuziner. Sie erschienen tagtäglich in Walterskirchen und leisteten Handlangerdienste, sodass der Pfarrer mit geringen Kosten sein Werk vollenden konnte.
Der große Sturmwind, der 1761 Häuser abdeckte, im Walde Bäume entwurzelte und Gartenzäune umwarf, beschädigt auch die Klosterkirche und besonders den Turm, in dem die Glocke herabfiel und in mehrere Stücke zersprang. Sieben Monate vergingen, ehe die Mönche den Schaden so halbwegs gut gemacht hatten; wo es nur möglich war, machen sie sich die Arbeit selbst. Im Jahre 1762 wurde ein neuer Brunnen gegraben, die schadhaften Messkleider und die Kirchenwäsche ausgebessert, die Altarbilder gereinigt, das von der hl. Katharina durch ein neues ersetzt, im Speisesaal das hl. Abendmahl an die Wand gemalt und andere kleinere Arbeiten durchgeführt, die zum großen Teil von folgenden Wohltätern aus Poysdorf bezahlt wurden, Hartl, Wilfing, Rötzl, Lachner, Lausmann, Lengauer, Zand, Schreiber, Bacher und Knoll. Diese bauliche Veränderung beanspruchte mehrere Jahre und erforderte einen Geldaufwand von 939 fl 55 kr. Im Jahre 1764 hatte sogar ein Neupriester von Nikolsburg in der Klosterkirche zu Poysdorf seine Primiz gefeiert.
1766 verzeichnete das Gedenkbuch 36.000 Beichleute. Als der Guardian 1868 die Rabensburger Herrschaft um das übliche Almosen ersuchte, bekam er 37,5 Pfund Hechte, 50 Pfund Karpfen, 1,5 Metzen Kuchelspeis und 6 Klaster Brennholz.
1774 konnte das Kloster in feierlicher Weise das Fest der Jahrhundertfeier begehen, zu dem die Bewohner des Marktes und der Nachbargemeinden erschienen; auch viele Priester waren herbeigeeilt, um an dieser seltenen Feier teilzunehmen. Es zeigte so recht den Höhepunkt in der Entwicklung dieses Klosters, dem nur noch wenige Jahre beschieden sein sollten.
Der russische Legationsrat Anton Bößler von Eichenfeld, der seine letzten Lebensjahre im Markt Poysdorf verlebte, stiftete für ein Judas Thaddäus-Fest, das nun alljährlich abgehalten werden sollte und für eine Josefsfeier am 19 März 400 fl (Stiftsbrief vom April 1774); für das letztere Fest vermachte die Frau Anna Maria Buchhof 400 fl; außerdem bestanden beim Kloster noch zwei Stiftungen: a) die des Fux mit 500 fl und b) die des Pacher Josef auch mit 500 fl für das ewige Licht.
1777 verzeichnete das Gedenkbuch noch einige Bekehrungen von Protestanten. Um 1780 lebten im Kloster 16 Priester und 7 Laienbrüder.
Die Auflösung des Klosters 1788
Die nächsten Jahre war es still und ruhig in dem großen Gebäude, es gab keine Veränderungen in demselben, das Gedenkbuch schweigt über die Zeit und ihre Verhältnisse, die schließlich zur Auflösung dieses Kloster führten, was am 20 Oktober 1788 auf Befehl des Kaisers Josef II. geschah. Die 27 Mönche, die damals im Kloster zu Poysdorf lebten, verließen den Markt und wurden auf andere Klöster aufgeteilt, dazu schreibt das Gemeindegedenkbuch: "Vor ihrem Abgang ließen sie keinen Nagel in der Wand zurück, ja sie rissen sogar die Bleiröhren, durch welche das Wasser in die einzelnen Gebäude floss, heraus und verkauften sie. Diese frevle Handlung diene zur Nachricht, wenn wiederum einmal welche herkommen sollten, wie guttätig man gegen sie sein soll".
Wie sich die Pfarrgeistlichkeit zur Klosteraufhebung stellte, ist nirgends erwähnt. Die alten Leute, so heißt es in einem späteren Berichte, waren damit nicht zufrieden, weil sie die Klosterkirche wegen der günstigen Lage bevorzugten; denn die Pfarrkirche steht auf einem Hügel und die vielen Stufen sind recht beschwerlich für bejahrte Leute. Der jeweilige Pfarrer fand, wenn er verreisen musste, stets im Kloster eine Aushilfe.
Die Verwertung des Klostergebäudes
Was sollte nun mit dem Gebäude geschehen? Zunächst versuchte man es zu verkaufen und schrieb es am 17. Oktober 1789 zum Verkauf in den Zeitungen aus. Die Behörde hoffte, dass sich ein Fabriksunternehmer melden würde; doch dagegen wehrten sich die Poysdorfer, weil sie dann einen Mangel an Arbeitskräften befürchteten; darum kauften sie es um 3342 fl (das Gebäude, die Kirche und den Garten). Die Hälfte der Kaufsumme erlegten sie sofort am 19. Oktober, den Rest schickten sie später an das Universal Kameral Zahlamt.
Am 27. Oktober 1789 fragte das Kreisamt in Korneuburg bei der Gemeinde an, was sie mit dem Kloster machen werden. Darauf antwortete sie, dass sie ein Wirtshaus und eine Kaserne daraus errichten wolle. Damals gab es noch wenig Kasernen und die Soldaten waren in den einzelnen Ortschaften bei den Bauern untergebracht. Die Gemeinde hoffte, auf diese Weise von der lästigen Einquartierung befreit zu werden.
Die Einrichtung wurde aber verkauft; am 21. Dezember 1784 fanden sich einige Käufer ein, die gegen Bezahlung folgende Gegenstände wegführten:
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ein Fastenbild |
22 kr |
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eine Statue des hl. Franz Xaver |
35 kr |
siehe nachstehende Anmerkung | |
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die Kanzel |
2 fl |
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ein Stein vom Hochaltar |
3 fl |
7 kr |
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ein Stein von Katharina-Altar |
5 fl |
43 kr |
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ein solcher vom Floriani-Altar |
4 fl |
8 kr |
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einer vom Katharina-Altar |
2 fl |
50 kr |
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einer vom Franziskus-Altar |
4 fl |
1kr |
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vier Beichtstühle |
7 fl |
19 kr |
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ein Stein vom Frauenaltar |
3 fl |
50 kr |
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und ein Betschemel |
20 kr |
Dazu eine aktuelle Anmerkung: Im Zuge der Recherchen zur Gestaltung der Wein + Trauben Welt 2014 stießen die Kuratoren Mag. Günter Fuhrmann und Mag. Wolfgang Galler auf eine Figur aus dem Museumsbestand, die einst weiß gekalkt und ihren Platz außen an einem Keller gefunden hatte. Nach ihrer Restaurierung in den 1990er Jahren rätselte man über die Herkunft der Statue bzw. wen sie wohl darstelle - denn der rechte Arm fehlte damals bereits. Durch die Aufzeichnungen von Franz Thiel stellte man eine Verbindung zum aufgelassenen Kapuzinerkloster her und kam zu dem Schluss, dass es sich hier um den Jesuiten Franz Xaver handeln musste, der nach der Klosterauflösung um einen Spottpreis verkauft wurde. Die Pilgermuschel auf seiner rechten Schulter , das priesterliche Gewand und die hohe künstlerische Qualität ließen diesen Schluss zu. Die Figur ist im Rahmen der Poysdorfer Wein + Trauben Welt im ehemaligen Bürgerspital ausgestellt: |
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In ihrer Dissertation Die in Niederösterreich unter Josef II. aufgehobenen Klöster im Hinblick auf ihre Weiterverwendung hat Dr. Sieglinde Fuchs 1967 den Vorgang des Gebäudeverkaufs sehr genau recherchiert:
Vermögenslage der Kapuziner in Poysdorf vom 27. März 1783:
Eigentümliche Realitäten: nichts
Gestiftete deto: nichts
Gestiftete Messen: 1800 fl.
Dieses Untersuchungsergebnis bestätigte einmal mehr die, anhand der gestifteten Messen nachweisbare, Beliebtheit der Kapuziner, aber auch ihr völlige Mittellosigkeit.
Davon unabhängig erging am 20. Juli 1783 das Dekret Josefs II. über ihre Aufhebung. Im Poysdorfer Kloster, dessen Gründung erst vor einem Jahrhundert erfolgt war, befanden sich zur Zeit der kaiserlichen Verfügung 14 Patres und 8 Laienbrüder. Während sich in den meisten anderen Klöstern sofort nach Bekanntwerden der beabsichtigen Aufhebung selbstätige Auflösungstendenzen einstellten, konnten die Poysdofer Mönche – den Quellen nach – ihren Personalstand sogar um 5 Mann hben. Es liegt jedoch die Vermutung nahe, dass sich dieser Zuwachs aus der Zahl der Mönche rekrutierte, für die nach Auflösung ihres Stammklosters noch keine neue Heimstätte gefunden werden konnte.
Am 15. August 1788 genehmigte Josef II. den einbrachten Antrag zur Schließung des Poysdorfer Klosters. Nachdem dieser Moment schon seit Jahren erwartet worden war, gingen die Räumung des Klosters und die Versetzung der Mönche ohne Verzögerung vostatten. Ende Oktober konnten die Gebäude dem Marktgericht übergeben werden.
Das leerstehende Klostergebäude avancierte in Kürze zu einem begehrten Kaufobjekt, das die Interessenten mit einer Flut von Majestätsgesuchen rasch und billig in ihren Besitz zu bringen trachteten. Im Vergleich zu früheren ähnlichen Gesuchen ist eine gewisse Perfektionierung nicht mehr zu übersehen, die wohl aus der Vertrautheit mit den Praktiken vorangegangener
Fälle resultierte. Andererseits zeigte sich eine – wahrscheinlich lagebedingte – Abkehr von dem unter großen ökonomischen und sozialen Aspekten begonnenen Trend zur Fabriksgründung, zugunsten einiger sehr auf das leibliche Wohl gerichteten Verwendungsmöglichkeiten von Klosterbauten. Das erste dieser Angebote stellt Johann Strobel, bürgerlicher Fleischhacker: „Es hat sich des öfteren ereignet, das Passageurs aus Mangel an Geräumigkeit in den hiesigen Wirtshauser unter freyen Himmel haben übernachten müssen, … weshalb es wohl am füglichsten wäre, zur mehreren Bequemlichkeit aller Reisenden, so wie nicht minder für schwere Fuhrleuthe, ein öffentliches Gasthaus zu errichten. Unterzeichneter macht sich auch anheischig, aus der alda bestehenden Kirche eine Quasikaserne zu errichten und darin so viel militari gegen die allerhöchste Aeralische Zinß-Vergütung anzunehmen, als sich herinnen füglich unterzubringen Gelegenheit ergeben wird.“
Während die Entscheidung noch ausstand, beeilte sich der zweite Fleischhackermeister von Poysdorf, Zacharias Wilfing, dem Kaiser sein, fast gleichlautendes Angebot zu unterbreiten. Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, stellte er an den Schluß seines Ansuchens den Hinweis, daß „es ist an der Zeit wäre den Anfang zu machen, da in der Sommerzeit das Gebäu am besten hergestellt werden könnte“.
Vorerst blieb das Kirchengebäude unerwähnt, doch holte Wilfing dieses offensichtliche Versäumnis nach drei Wochen mit umso dringlicheren Bitten nach.
Die beiden Gesuche gingen wie üblich zur Begutachtung an die dafür zuständigen Stellen wo sie nicht allzu großen Anklang gefunden haben dürften. Anders war die Wirkung auf die Poysdorfer Wirte! Für sie waren die Gasthauspläne der Konkurrenz alarmierend genug um sofort Gegenmaßnahmen zu ergreifen. In einem Majestätsgesuch baten sie ohne Umschweife, dem Johann Strobel oder allenfalls einem anderen Käuffer dieses Klosters, die Schank-Gastgebfreyheit nicht zu ertheilen“! Als Begründung gaben sie an, daß in Poysdorf ohnehin 4 Gasthäuser wären, und die Gäste stets genügend Unterkünfte gefunden hätten. Nicht unerwähnt wollten sie den „kränkenden Umstand“ lassen, daß auch Private ihren Wein verkaufen könnten, was eine weitere Verdienstminderung bedeutete. Das Hauptmotiv allerdings wurde klar, als sie abschließend ihre Bereitwilligkeit kundtaten, das Kloster selbst zu kaufen und darin „die Schank und Gastgebfreyheit“ auszuübern! Als Bittsteller zeichneten Christian Perger, Johann Zechmeister, Joseph und Leopold Friedrich, als Wirte von Poysdorf.
In der Zwischenzeit waren die Ermittlungen der geistlichen Kommission abgeschlossen worden. Strobel schied als Bewerber aus, da er „außer einem, mit verschiedenen Schulden grundbücherlich beschwerten Hauß, keine weiteres Vermögen besaß“. – Eine zweite unangenehme Überraschung brachte der Bericht über den Lokalaugenschein, nach dem „Mauer und Dachwerk in gutem Stande“ waren, aber „das innere Gebäude durch Aushebung der steinernen Platten, Abbrechen der Zierschlösser, Ausgrabung der Wasserleithungsröhren und Abbrechen des hölzernen Tafelwerkes“ starke Beschädigungen aufwies.
Die Schäden waren beträchtlich, rührten aber ausnahmsweise nicht von Plünderungen her, sondern waren das Werk der abziehenden Kapuziner! Im Gedenkbuch der Gemeinde Poysdorf wird den Mönchen zur Last gelegt, nicht einmal einen Nagel in der Wand zurückgelassen zu haben, ja selbst die erwähnten Bleiröhren sollen von ihnen auf dem Lizitationsweg veräußert worden sein.
Da mittlerweile mit Josef Aninger noch ein weiterer Bewerber aufgetreten war, riet der referierende Reg.Rat Matt zu einer Versteigerung, wo „allenfals andere Liebhaber“ zu erwarten waren.
Mit Hofdekret vom 14. Juli 1789 wurden Kloster und Kirche zur öffentlichen Versteigerung ausgeschrieben.
Hauptbieter und Käufer beider Gebäude war um 3342 fl die Gemeinde selbst. Der Protokollauszug nannte den 18. Oktober als Versteigerungstag. Bald darauf mußte die Gemeinde über allerhöchsten Auftrag Mitteilung machen, welche Pläne sie mit dem neuerworbenen Objekten hätte. Die möglicherweise erhoffte Hinwendung zur Fabriksgründung oder einem anderen, staatlich propagierten Zweck, trat nicht ein. Die Gemeindeväter sahen in der von Strobel vorgeschlagenen Verwendung die beste Lösung und entschlossen sich in der Kirche eine Kopmpanie Soldaten aufzunehmen und mit dem Kloster den, anscheinend doch vorhandenen Bedarf an Gaststätten zu decken.
Reg.Rat lobte das Kasernenprojekt und befürwortete desjalb auch die Bewilligung einer 10-jährigen Zahlungsfrist auf die noch bestehende Schuld von 1672 fl.
Ob die Gastwirtschaft tatsächlich Raum benötigte oder sich im Interesse der Gemeinde etwas einschränkte ist nicht bekannt, de facto blieb im Kloster so viel Platz, daß man die Soldaten hier einquartieren und sich auf diese Weisen den kostspieligen Umbau der Kirche ersparen konnte. Das leerstehende Gotteshaus ließ in den Poysdorfern den Wunsch einer Neukonskrierung wieder aufleben und sie versuchen in einer Reihe von Bittgesuchen an die Regierung und zuletzt an Kaiser Franz II. die Zustimmung zu erhalten. Als Gründe gab man die ständig anwachsende Volksmenge, den beschwerlichen Aufstieg (100 Staffeln!) zur Pfarrkirche und die hohen Kosten an, die die Erhaltung dieses unbenützten Bauwerkes bis zu diesem Zeitpunkt schon erfordert hatte. An einen Abbruch konnte, laut Meinung der Sachverständigen nicht gedacht werden, da „die Kassierung ohne augenscheinlichen, sehr empfindlichen Schaden der ganzen Militärgebäude“ nicht möglich war.
Die N.N. Regierung erhielt den Auftrag das Gesuch zu erledigen, doch geschah in dieser Angelegenheit nicht viel. Poysdorf stellte daraufhin seine Bemühungen um die jetzt neuerliche Einweihung vorläufig ein, und trachtete jetzt in erstren Linie für seine ZUahlungsrückstände auf das erworbene Kloster, weiter Aufschub zu erlangen, bzw. die Schuld mit 4 %igen ständischen Obligationen tilgen zu dürfen. Die Zahlungsunfähigkeit war durch einen Brand, der 1792 die Gemeinde schwer betroffen hatte, hinlänglich und glaubhaft begründet worden. Da man außerdem versprach, den Restbetrag bis zum 23. März 1800 zu erlegen, stimmte die Regierung zu.
1801 versuchte die Bewohnerschaft von Poysdorf noch einmal die Kirche, die inzwischen als Magazin Verwendung gefunden hatte, als Gotteshaus zurückzuerhalten. Man versprach alle Kosten zur Wiederherstellung zu tragen, einem Benefiziaten einzustellen und zu erhalten, dessen Aufgabe es wäre, „an Sonn- und Feiertagen in der Kirche vor dem Gottesdienst Beicht zu sitzen und um 10 Uhr eine halbstündige Predigt iund darauf eine Segensmesse, sowie werktags um 9 Uhr eine Mess zu lesen“.
Der Ortspfarrer erwies sich jedoch als ausgesprochener Gegner dieses Vorhabens und erklärte, daß die ehemalige Kapuzinerkirche vollkommen überflüssig sei, da die Pfarrkirche „auf einem sanften Hügel und auf keinem steilen Berg liege“.
Nachdem auch noch von anderer Seite ablehnende Stimmen laut wurden, bleib die Kirche ein Magazin, und durfte, wie das anscheinand manchmal noch vorkam, nun „weder dem durchziehenden militari, noch sonstigen Passageuer“ weiter als Gotteshaus dienen.
Als nach einiger Zeit der ganze Klosterkomplex an 5 Private verkauft wurde, siedelte man auch das Magazin um, und trug daraufhin die nördliche Partie der Kirche ab. Laut Chronik besaß nun „ein hiesiger Isrealit 2 oder 3 Antheile, und es scheint, daß auch ein Theil der Kirche sich dabei befindet, denn in dem Hause des Herrn Glaser soll ein geräumiger Saal sein, in welchem sich die hiesigen Israeliten zu ihrem Gottesdienst versammeln“.
Dieser s.g. Judentempel bestand bis 1938.
Die Klosteranlage an sich, ist vollständig erhalten, nur durch Zubauten an der Straßenfront stark verändert. – Die Wohnungen in der Kirche sind im Oberschoß noch freskengeschmückt, der Klosterbrunnen und sogar die Holztreffen aus der Klosterzeit stehen in Verwendung. Der Refektoriumstrakt steht allerding leer, da die Mauern durch das in die riesigen Keller eingedrungene Grundwasser an Festigkeit verlieren.
Ergänzende Informationen:
Die aktuellen Besitzer des ehemaligen Klostergebäudes, Judith und Erich Zangl, haben in einem Raum im Westtrakt Wandmalereien entdeckt, die auf die Verwendung dieses Raumes als Gebetsraum für Juden schließen lassen. Die frühere Nachbarin im östlichen Trakt, Frau Helga Linhart, hat erzählt, dass sie von ihrem Fenster zum Innenhof des Klosterbaus die Juden bei ihrem Gottesdienst beobachten konnte. Der Nachbar im westlich gelegenen ehemaligen Klostergarten, Karl Paar, bestätigte diese Verwendung. In ersterem Raum (mit der auffallenden Wandmalerei) beteten die Männer, im Raum darüber die Frauen.
Im marianischen Gedenkbuch der Wallfahrtskirche Maria Bründl (aus 1933) wird berichtet, dass 1787 von der ehemaligen Kirche des Kapuzinerklosters eine Glocke für die Wallfahrtskirche gekauft wurde. Leider ist sie nach wenigen Jahren zersprungen, sodass sie umgegossen werden musste. Die neue Glocke wurde dann 1802 geweiht.
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In der Dorfchronik von Johann Steyrer gibt es einen Vermerk aus dem Jahre 1933, dass das Speisegitter in den NÖ Landessammlungen zu sehen ist. Nach einer Anfrage bei den Landessammlungen NÖ - Sammlungsgebiet Kulturgeschichte - erhielten wir nachstehendes Foto mit dem Hinweis, dass es sich hier um ein "Altargitter einer abgebrochenen Kapelle in Poysdorf" handelt. Recherchen beim Bundesdenkmalamt (Dr. Gerold Eßer) haben ergeben, dass sich das Speisegitter aufgrund seiner Detail-Formen in die ersten Jahrzehnte nach 1700 einordnen lässt.Da nach heutigem Wissensstand außer der Kapuzinerkirche in Poysdorf keine Kirche abgebrochen wurde (die Barbarakapelle steht nach wie vor für Messfeiern zur Verfügung), kann es sich mit größter Wahrscheinlichkeit nur um das Altargitter der Kapuzinerkirche handeln. |
Weitere Verkäufe fanden statt am 19. März 1790, am 30 März 1790, am 19. Mai 1791 (der Garten), am 8. Jänner 1793 und am 7. September 1793. Den Garten teilte die Gemeinde in fünf Teile, die von den Poysdorfern gekauft wurden: Andreas Strobl (um 190 fl), Matthias Schmidt (um 251 fl), Franz Piringer (um 161 fl), Georg Strobl (um 148 fl) und Jakob Haimer (um 380 fl). Die Klosterkirche, die nach dem Weggang der Kapuziner entweiht wurde, ließ die Gemeinde bis auf das Presbyterium niederreißen, nachdem die Kirche und das Kloster bei dem Brande im Jahre 1793 teilweise Schaden gelitten hatte.
Die Gemeinde nahm in die Zimmer Wohnparteien, doch die Kaserne stand meist leer. Im Jahre 1805 und 1809 richteten die Franzosen ein Etappenmagazin hier ein, stapelten die Vorräte an Heu, Hafer und Wein auf für ihre Truppen. Durch List gelang es 1813 dem Johann Zechmeister anschließend an das Kloster ein Wirtshaus zu erbauen, das als "Kaiserwirtshaus" einen guten Ruf bei den Fuhrleuten, die durch unseren Markt fuhren, besaß. Nun mietete der Schmiedemeister Wunsch die ehemalige Sakristei und richtete daselbst eine Schmiedewerkstätte ein, da ja in der guten alten Zeit immer neben einem Gasthaus eine Schmiede sein musste. Wunsch zahlte dem Markte 40 fl Jahreszins, außerdem zählte man noch vier Wohnparteien in dem Klostergebäude. Trotzdem klagte der Marktrat, dass er von diesem Besitz keinen Gewinn hätte, die Reparaturen erforderten viel Geld und der Wilfersdorfer Herrschaft zahlte er eine 10jährige Renovation; darum wäre es besser, das Gebäude so rasch als möglich zu verkaufen, leider fand sich kein Käufer.
1834 mussten die Parteien teilweise ausziehen, da ein Zug Soldaten hier einquartiert wurde, die alle Räume benötigten; zwei Zimmer wurde als Spital eingerichtet. Mit dieser Regelung war die Gemeinde gar nicht zufrieden, weil die Soldaten einen ungünstigen Einfluss auf die Jugend ausübten, sodass nach einiger Zeit das Militär unseren Markt verlassen musste. Nun verkaufte die Gemeinde einen Teil um den anderen an einzelne Parteien, die sich hier wohnlich einrichteten. Im ehemaligen Speisesaal fanden im Winter Theaterabende und Tanzunterhaltungen statt.
Die neuen Käufer reichten den Dienst und das Robotgeld der Herrschaft Wilfersdorf, so zahlte zum Beispiel das Haus Nr. 124 jährlich 4 fl 20 kr Robotgeld. Aus der ehemaligen Waschkammer wurde später die Wagnerwerkstätte des A. Charwat (Haus Kühnel, Wiener Straße 6).
Ein Bild von dem alten Kloster besitzen wir leider nicht; wohl hat es ein Maler auf dem Votivbild, das anlässlich der Pest in Jahre 1679 in die Gnadenkirche nach Mariazell getragen wurde, festgehalten, doch ist es der alten Bau und nicht der neue, der nach dem großen Brande aufgeführt wurde. Engelköpfe und Statuen finden sich in Privathäusern, die sicher aus dem Kloster stammen.
Quellenangabe: Das "Klostergedenkbuch" im Wiener Kapuzinerkloster, das Poysdorfer "Gemeindegedenkbuch", die Protokolle des Poysdorfer Marktrates, die Wilfersdorfer Herrschaftsakten im Fürstlich Liechtenstein‘schen Hausarchiv und die im Hofkammerarchiv in Wien.
Weitere Publikationen über das Kapuzinerkloster in Poysdorf
Gerhard Winner hat in seinem Buch über "Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien" nachstehenden Beitrag verfasst:
Das Kapuzinerkloster zum hl. Anton von Padua in Poysdorf wurde am 20. Oktober 1788 aufgehoben. Es beherbergte damals 27 Religiosen, die Patres waren vor allem als Beichtväter sehr geschätzt und wurden von weither aufgesucht; es gab Jahre, in denen man bis zu 36.000 Beichtkinder zählen konnte. Die Klosterkirche wurde entweiht, doch ehe man sie räumen konnte, wurde in der Nacht vom 11. auf den 12. November ein Einbruch verübt, dem Gegenstände im Wert von 430 fl. zum Opfer fielen. Die Paramente und transportablen Einrichtungsstücke kamen nun in den Pfarrhof nach Walterskirchen, wo der Dechant dann ihre Verteilung durchführen ließ; der Hochaltar und zwei Seitenaltäre gelangten nach Niederkreuzstetten, ein weiterer Seitenaltar nach Neubau. Der Garten wurde parzelliert, und Teile des Klosters erhielt 1789 der Fleischauer Johann Strobl zugesprochen, der hier ein Gasthaus und eine „Quasi-Kaserne“ adaptieren wollte. Im selben Jahr kam dann noch die Marktgemeinde um 3342 fl. in den Besitz der Gebäude, für die man aber freilich bald keine geeignete Verwendung mehr hatte. 1801 wollte man die Kirche wieder einrichten und ein Benefizium daran stiften, doch verweigerten die Behörden die Zustimmung. Darauf entschloß man sich endgültig zum Verkauf, konnte aber für das gesamte Objekt keinen Interessenten finden. So mußte man mit Teilverkäufen zufrieden sein, die sich natürlich über einen längeren Zeitraum erstreckten; die Kirche aber war gänzlich unbrauchbar und wurde abgetragen.
Quellenangabe: DAW Poysdorf Kapuziner 1788 und 1801; HHSTA Staatsrat 1789/2236; F. Thiel , Das Kapuzinerkloster in Poysdorf UH 1936, S. 337 ff.; Schweickhardt VUMB V, S. 120 ff.
Heimat im Weinland
Franz Stubenvoll aus Poysbrunn hat in der Publikation "Heimat im Weinland", einem Beiblatt zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, in der Ausgabe Jahrgang 1982/2 auf den Seiten 109ff seine Recherchen zum Kapuzinerkloster veröffentlicht
ln Poysdorf wirkende und + Kapuziner
Wieviele und welche Patres und Brüder in Poysdorf lebten, ist nur mehr mit Mühe festzustellen. Das Kloster scheint aber immer genügend Kapuziner für seine Aufgaben gehabt zu haben. Um 1780 zählte man dort 16 Priester und 7 Laienbrüder; bei der Aufhebung des Klosters 1788 wurden die dortigen 27 Ordensmitglieder auf andere Klöster aufgeteilt. Die Bewohner des Klosters kamen aus dem ganzen süddeutschen Raum und gaben hier - auch für die ganze Umgebung - ihr Bestes. 42 Kapuziner starben in Poysdorf. Die ersten wurden in der Gruft der Pfarrkirche bestattet. die späteren in einer eigenen Ordensgruft, die dort nach 1710 errichtet wurde. 1)
in der folgenden Totenliste bedeuten: P. - Pater (= Ordenspriester) Br. - Ordensbruder; dann folgt der Ordensname und in Klammer der bürgerliche Name, der Geburtsort (GO), der Tag des Ordenseintritts (OE), der Todestag (+) und die Zahl der im Orden verbrachten Jahre (OJ).
In Poysdorf starben folgende Kapuziner 2)
P. Desiderius (N?) GO Deggendorf, Bayern OE 6. 3. 1657. + 13. 12. 1679 im 22. OJ
Br. Anselm (N !) GO Passau, OE 20.4.1649, + 21. 11. 1679 im 30. OJ
P. Maximus (Johann Strasmayr) GO Rosenheim Bayern. OE 22. 9. 1668. + 25. 3. 1684 im 16. OJ
P. Maximilian (N ?) GO Kremsmünster, OE 2.10.1670, 25. 3. 1684 im 14. OJ
P. Sigismund (N. Dieterl) GO Wien, OE 17. 9. 1654, + 1. 8 1684 im 30. OJ. Er war ein hervorragender Prediger und ein großer Verehrer der Gottesmutter, die ihm auch die Gnade gab, am Vorabend von Portiunkula 3) nachdem er in aller Andacht die Frauenlitanei gebetet hatte, bei den Worten „Unter deinen Schutz und Schirm" seine Seele auszuhauchen.
P. Kajetan (Franz Mittermayr) GO Linz, OE 5.8. 1657, + 24. 3. 1690 im 33 OJ
P. Eleutherius (Sebastian Horatius Sances) G0 Wien, OE 29. 9. 1670, + 22.2.1696 im 26. OJ
P. Valerian (Johann Dersch) GO Passau, OE 8.4.1680, + 26. 7. 1696 im 16. OJ
Br. Matthias (Johann Josef Riesch) GO Dingolfing, Bayern, OE 1. 3. 1689, + 20.9.1705 im16. OJ
Br. Daniel (N?) aus Österreich, + 1. 4. 1714 im 46. OJ
P. Albin (Johann Christoph Miller) aus der Pfalz, OE 11. 11. 1695, + 6. 3. 1719 im 24. OJ
Br. Massäus (Daniel Pirner) aus dem Burgenland, Priesterstudent, OE 16. 10. 1719, + 25. 5. 1723 im 3. OJ
P. Nizephorus (Zacharias Adam Pfeffer) GO Wien, OE 29.9.1697, + 11. 1. 1724 im 27. OJ
P. Elektus (Tobias Anton Jazlan) GO Steyr, OE 30. 9. 1699, + 17. 4. 1725 im 26. OJ
P. Sigisbert (Franz Kamerbauer) G0 Gmunden, OE 29. 9. 1716, + 28. 11. 1735 im 19. OJ
P. Florentlus (Anton Wiser) G0 Llnz, OE 8. 11. 1706, + 19. 1. 1737 im 31. OJ, war auch Guardian in Poysdorf.
P. Adalbert (Sigismund Schwarzeigl) G0 Steyregg OÖ., OE 8. 11. 1706, + 25. 5. 1742 im 36. OJ
P. Paulus (Caspar Hochmayr) GO Perg OÖ., OE 16. 10. 1720, + 23. 10. 1750 im 30. OJ. Er war aktiver Guardian in Poysdorf, geliebt von seinen Miltbrüdern und hochgeschätzt von Klerus und Volk.
P. Quirin (Johann Christoph Arnold) G0 Wien, OE 12. 8. 1702, + 9. 7. 1751 im 49. OJ
P. Franz Xaver (Franz Dorfmayr) GO Gaming, OE 31.1.1728, + 15. 4. 1753 im 25. OJ. Ist am Palmsonntag plötzlich gestorben, um im Himmel das Hosanna zu singen.
P. Ansbert (Laurenz Schiller) GO Wötzersdorf NÖ., OE 22. 5. 1714, + 20. 12. 1754 im 40. OJ
Br. llluminat (Josef Steinkogler) GO Gmunden, OE 26. 9. 1729, + 7. 1. 1758 im 29. OJ. War ein beliebter Sammelbruder.
Br. Michael (Anton Horner) GO Lauffen, OE 22. 3. 1716, + 5. 2. 1758 im 42. OJ
P. Bonitus (Josef Brandstötter) GO Ottensheim OÖ., OE 9. 11. 1739, + 30. 1. 1759 im 20. OJ
P. Abel (Josef Praitenstainer) GO Gresten NÖ., OE 2. 10. 1736, + 14. 4. 1763 im 27. OJ. War Lektor und Generalsekretär in Rom.
P. Karlmann (Franz Christoph Josef Eisenhofer) GO Daxberg OÖ., OE 29.9.1715, + 30. 6. 1765 im 49. OJ
P. Flavius (Christoph Popius) GO Laa/Thaya, OE 17.6. 1734, + 10. 11. 1765 im 31. OJ
P. Geminian (Franz Offner) GO Poysdorf OE14. 101715, + 3. 4. 1767 im 52. OJ
P. Hyazinth (Josef Paur) GO Passau, OE 5. 11. 1740, + 23. 5. 1770 im 30. OJ
P. Altmann (Wilhelm Ferdinand Schaffer) G0 Stetteldorf NÖ., OE 23. 10. 1714, + 30. 10. 1777 im 56. OJ
P. Pazifikus (Franz Mölkl) G0 Wien 0E14. 3. 1734 + 5. 11. 1776 im 42.OJ
Br. Herkulan (Johann Rodlmayr) GO Steyr, QE 12. 7. 1751, + 10. 11. 1776 im 25. OJ
Br. Wunibald (Adam Kuk) GO Ernstbrunn OE 24. 9. 1761, + 14. 7. 1777 im 16. OJ
Br. Florian (Josef Schopper) GO Hohenfurt in Böhmen, OE 3. 10. 1752, + 13. 8. 1778 in Feldsberg bei den Franziskanern im 26. OJ. Er gehörte zur Familie in Poysdorf
Br. Achaz (Matth. Hanick) GO Haslach, OE 3. 11. 1752, + 25. 4. 1783 im 31. OJ
Br. Zacharias (Mathias Tschape) aus Schlesien, OE 13. 11. 1760, + 10. 11. 1783 im 23. OJ
Br. Kassian (N ?), GO Wien, + 16. 3. 1784 im 45. OJ, er war Koch und Gärtner,
P. Petrus (Franz Karl Higl) G0 Wlen, OE 11. 12. 1732, + 18. 3. 1785 im 53.0J
P. Kreszentian (Michael Timper) G0 Llnz, OE 1. 7. 1733, + 3. 8. 1785 im 52. OJ
P. Juventius (?) GO Llnz. + 2. Nov. 1786 im 27. OJ
P. Agapit (Johann Dopf) GO Gmunden. OE 6. 3. 1743, + 13. 3. 1788 im 45. OJ
P. Gregor (Johann Schallermayr) G0 Rabensburg, OE 11 .8. 1747, + 20. 6. 1788 im 41. OJ
1) Thiel, Kapuzinerkloster 344
2) P. Albin von Thüringerberg, Totenbuch der Wiener Kapuzinerprovinz, Wien 1949, Maschingeschr., vervielfältigt. – Catalogus Principalis Tripartitus ab origine nostrae Provinciae seu ab anno 1599 – Beide im Kapuziner-Provinzialarchiv Wien I.
3) Ursprünglich: Lieblingskapelle des hl. Franz von Assisi, der dort seine Berufung erhielt. Dieser Tag wurde im Orden am 2. August in festlicher Weise begangen und war ein großer Beicht- und Ablaßtag.
Die Vorsteher des Poysdorfer Klosters 1)
Superiore 2)
P. Hugo (N?), aus dem Breisgau, in Südbaden, OE 19. 6. 1638. + in Linz am 4. 1. 1680 im 42. OJ
P. Augustin
P. Gervasius (Michael Wartberger) GO Linz, OE 5. 8. 1657, + in Krems am 24. 5. 1706 im 49. OJ
Guardiane 3)
P. Luzius (Anton Damianus Siker) GO Trient, OE 19. 8. 1660. + in Wien am 26. 11. 1686 im 26. OJ. Er war Lektor.
P. Florentinus (Thomas Dorner) GO Wr. Neustadt, OE 7. 10. 1665, + in Wr. Neustadt am 15. 8. 1706 im 40. OJ
P. Elzear (Sigismund Schmidleithner) GO Ried, OE 22. 9. 1660, + in Wien am 21. 11. 1709 im 49. OJ als Lektor und Guardian. Als Missionar in Ungarn opferte er seine ganze Kraft für die Rückgewinnung der lrrgläubigen, er stand beim Erzbischof von Gran in höchstem Ansehen.
P. Aurel (Michael Fabritius) GO Wien, OE 31. 5. 1667, + in Wien am 17. April 1725 im 58. OJ. Er war durch viele Jahre Missionar in Ungarn.
P. Andreas (Fridericus de Gallo) GO Wien, OE 25. 3. 1667. + in Wien am 28. 6. 1703 im 37. OJ
P. Christin (N?) GO Säckingen bei Rheinfelden am Hochrhein in Baden-Würtemberg, OE 21. 9. 1665, + in
Wien am 18. 1. 1712 im 47. OJ
F Gratian (Georg Pruggbaur) GO Ried, OE 24.4.1663, + in Mödling am 31. 12. 1704 im 41. OJ als Lektor der Theologie und Guardian. Er wirkte auch als Missionar in Ungarn und zeichnete sich durch große Gelehrsamkeit aus.
P. Pankraz (Johann Mußberger) GO Passau, OE 10. 6. 1658, + in Passau am 30. 12. 1707 im 49. OJ
P. Gaudiosus (Matthias Freisieder) GO Passau, OE 13. 10. 1672, + in Preßburg am 21.7.1713 im 43. OJ
an der Pest.
P. Anselm (Matth. Krin)GO Brixen, OE 8. 9. 1673, + in Wien am 2. 4. 1712 im 39. OJ
P. Didakus (Math. Mayr) aus Tirol, OE 25. 3. 1667, + in Krems am 24. 2. 1717 im 50. OJ an der Pest
P. Johann Baptist (Johann Maximilian Gselhofer) GO Steinbach, OE 24.8.1672, + in Freistadt am 1.5.1724
im 52. OJ
P. Serenus (Math. Gabbler) GO Passau, OE 13. 10. 1672, + in Passau am 18. 8. 1717 im 45. OJ
P. Adjutus (Andreas Petko) aus Tirol, OE 21. 9. 1677, + in Wien am 5.1.1728 im 50. OJ
P. Philipp (Georg Melzer) GO Steyr, OE 13. 6. 1688, + in Passau am 19. März 1731 im 43. OJ. Er war zur Zeit des Klosterbrandes Guardian In Poysdorf.
P. Vitus (Caspar Wirsching) aus Franken, OE 21. 11. 1693, + in Krems am 9. 12. 1726 im 33. OJ
P. Korbinian (Johann Jakob Sack) GO Baden, OE 29. 9. 1679, + in Wien am 8. 9. 1724 im 27. OJ
P. Job (N?) GO Wien, OE 7.6.1701, + in Wien am 1. 1. 1728 im 27. OJ
P. lsidor (Franz Richter) GO Linz, OE 20. 3.1697, + in Schwechat am 31. 5. 1745 im 48. OJ
P. Matthias (Johann Georg Hann) G0 Frankenmarkt, OE 15. 11. 1701, + in Linz am 1. 6. 1755 im 54. OJ. Er
wirkte als Missionar unter den Irrgläubigen und war ein vielgesuchter Beichtvater.
P. Maximus (Maximin?) (Martin Hueber) aus Kärnten, OE 1. 5. 1698, + in Krems am 7. 1. 1738 im 40. OJ
P. Valerius (Josef Emanuel Thrier) GO Poysdorf, s. u.!
P. Erembert (Josef Anton Knosp) GO Breisach, in Baden am Rhein, OE 3.9.1704, + in Wien am 6.9.1740 im 36. OJ. Er zeigte große Geduld in seinen vielen Leiden und fand immer wieder Trost in der Betrachtung des leidenden Heilands.
P. Bartholomäus (Anton Wilhelm Hariz) GO Kindberg, OE 22. 9. 1706, + in Wels am 10. April 1745 im 39. OJ, Lektor, Guardian und Schatzmeister in Wien.
P. Johann Baptist (Franz Anton Spizer) GO Gmunden, OE 24. 6. 1716, + in Linz am 10. 8. 1757 im 41. OJ, Lektor, Guardian und Definitor.
P. Florentius (Anton Wiser) GO Linz, OE 8. 11. 1706, + in Poysdorf am 19. 1. 1737 im 31. OJ
P. Benno (Johann Josef Lautner) GO Poysdort, s.u.!
P. Severin (Georg Sebastian Leininger) GO Hermberg, OE 10. 10. 1711, + in Morra am 10. 4. 1744 im 33. OJ, Vicar und Magister der Novizen.
P. Longinus (Philipp Ludwig Widman) aus der Pfalz, OE 1. 10. 1703, + in Krems am 29. 10. 1743 im 40. OJ;
Lektor und Guardian.
P. Marinus (Josef Wallner) GO Steyr, OE 13. 10. 1700, + in Korneuburg am 26. 1. 1741 im 41. OJ als aktiver Guardian und eifrig in Wort und Tat.
P. Emmeran (Johann Georg Plöderl) GO Passau, OE 17. 10. 1715, + in Wien am 7. 10. 1754 im 39. OJ. Ein durch Wort und Beispiel bewährter Prediger.
P. Eustach (Johann Georg Peyr) GO Krumbach, OE 11. 3. 1726, + in Gmunden am 12. 2. 1771 im 45. OJ
P. Jakob (Adam Fusi) GO Wien, OE 17. 9. 1728, + in Preßburg am 13. 6. 1752 im 24. OJ
P. Terentian (Adam Steyrleithner) GO Steyr, OE 12. 8. 1722, + in Linz am 27. 1. 1791 im 69. OJ; Exprovinzial und Provinzsenior.
P. Paulus (Caspar Hochmayr) GO Perg OÖ., OE 16. 10. 1720, + in Poysdorf am 23. 10. 1750 im 30. OJ als aktiver Guardian.
P. Amlan (Johann Georg Bolon) GO BruckILeitha, OE 6. 12. 1728. + in Wien am 22. 3. 1789 im 61. OJ
P. Sekundian (Anton Aichinger) GO Kismarton, Ungarn. OE 23.9. 1728. + in Preßburg am 18.5. 1758 im 30. OJ
P. Bonagratia, GO Wien, OE 1720, + in Bruck/Mur am 6. 2. 1782 im 62. OJ
P. Kornelius (Ferdinand Arminger) GO Stein NÖ, OE 12. 5. 1721, + in Bruck/Leitha am 18. 7. 1779 im 58. OJ
P. Christian (Josef Hadinger) GO Wien. OE 25. 4. 1732k, + in Wien am 9. 3. 1758 im 53. OJ
P. Kosmas (Anton Gigenbach) GO Wien, OE 19. 10. 1736. + in Wr. Neustadt am 20. 2. 1776 im 39. OJ. Er war Apotheker.
P. Gaudenz (Johann Jakob Sagmeister) GO Linz, OE 7. 10. 1665. + in Linz am 1. 7. 1726 im 61. OJ, er führte in unserer Kirche den katechetischen Unterricht ein und gab dazu ein Buch heraus.
P. Walfried (Johann Georg Girtler) GO Passau, OE 12.4.1733. + in Wien am 11.6.1771 im 38. OJ
1) Die Ordensnamen der Vorsteher finden sich in Thiel, Kapuzinerkloster S 345, leider ohne Angabe der Zeit, wann sie in Poysdorf Vorsteher waren. Die übrigen Daten stammen aus dem Kapuzinerarchiv Wien (Albin, Totenbuch; Catalogus Principalis)
2) Oberer
3) Titel des auf drei Jahre gewählten Klostervorstehers
Das Ende des Poysdorfer Kapuzinerklosters
lm Zuge der Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II seit 1783 (32 in NÖ. geplant, 4 konnten gerettet werden) wurden dem Herrscher 1788 auch vorgeschlagen, das Kapuzinerkloster in Poysdorf aufzuheben,1) obwohl damals dort 27 Religiosen wirkten und die Patres als Beichtväter sehr gesucht waren. 2) Das Aufhebungsdekret des Kaisers erging trotzdem und trägt das Datum 20. Okt. 1786. Die Poysdorfer Mönche wurden auf andere Kloster verteilt oder sekularlsiert, Kirche und Kloster wurden in den Zeitungen zur öffentlichen Versteigerung ausgeschrieben; 3) das zurückgelassene Kircheninventar wurde auf andere Kirchen verteilt, 4) obwohl sich der Magistrat von Poysdorf von Anfang an um die Erhaltung der St. Antoniuskirche bemühte. 5) Das Silber der Klosterkirche wurde 1789 dem kk. Münzamt übergeben; 6) einige Pararmente erhielt die Pfarre Oberdöbling. 7) Die Pfarre Großenzersdorf ersuchte um Überlassung der zur gesperrten Kirche gemachten (Messen-) Stiftungen. 8) Das Ansuchen des Anton Strobl, ihm Kirche und Kloster um den Schätzwert zu überlassen, wurde abgelehnt. 9) Diese wurden von der Marktgemeinde Poysdorf um 3.342 Gulden erkauft, 10) um vielleicht doch die Kirche erhalten zu können. 1790 machte sie neuerlich das Gesuch, daß dort Messen gehalten werden dürften. 11) Aber ohne Erfolg.
So suchte man einen neuen Weg: Der aus Poysdorf stammende nun pensionierte Pfarrer von Poysbrunn Johann Baptist Uhl 12) machte am 6. Mai 1801 dem Kaiser den Antrag, in der ehemaligen Poysdorfer Kapuzinerkirche ein Kurat-Benefizium zu stiften, durch das ein Messeleser erhalten werden könnte, falls diese wieder für den Gottesdienst geöffnet werde. Gleichzeitig suchte auch die Marktgemeinde darum an, weil die Pfarrkirche am Ortsende auf einem Berge liege und nur über 82 Stufen erreichbar sei. 13)
Die Antwort darauf: „Es könne diesem beyderseitigen Gesuch nur dann willfahrt werden, wenn die Uhlische Stiftung so eingerichtet wird, daß
1. der zu stiftende Benefiziat von dem Ortspfarrer abhängig gemacht werde;
2, wenn alles so in die gehörige Ordnung gebracht werden kann, daß weder dem Ortspfarrer noch der Ausübung des Gottesdienstes einiger Nachteil im Wege stehe, um in der Folge allen Verwirrungen, Uneinigkeiten vorzubeugen, und
3. daß der Religionsfond dadurch nicht die geringste Belastung erfahre.“14)
Zwischen dem Poysdorfer Pfarrer Karl Hegelsberger und Johann B. Uhl fand darüber am 20. Aug. 1801 ein Gespräch statt, dessen Protokoll erhalten ist. Uhl lehnte jegliche Abhängigkeit vom Pfarrer ab, den anderen Punkten stimmte er größtenteils zu. Hegelsberer lehnte aber Uhl als Benefiziaten grundsätzlich ab. Außerdem hätte sich die Gemeinde Poysdorf verpflichten müssen, ein Benefiziaten- und Mesnerhaus zu errichten und zu erhalten. Dadurch kam das Projekt zu Fall.
1) NÖLA, C 27 nr. 3447, 3557, 4017
2) Winner, Klosteraufhebungen, 216
3) Rieß, Maria Bründl, 95f – Thiel, Kapuzinerkloster 345, Winner, Klosteraufhebungen 216
4) NÖLA, C 29, nr. 5212, 5393 und C 27 nr 5396; Winner 216
5) NÖLA, C 27, nr. 4971, 2175
6 ) NÖLA, C 29, nr. 129, 1141, 1917, 2477
7) NÖLA, C 29, nr. 339
8) NÖLA, C27, nr 1920 (liegt bei 80)
9) NÖLA, C 27, nr 1541, 1833, 1885, 2855, 4234, 4927, 4962
10) Rieß, Maria Bründl, 96
11) NÖLA, C 20, nr. 3062, 3483, 3982
12) Uhls Lebensdaten: Geb. 4. Juli 1729 in Poysdorf, 1753 Priesterweihe in Wien (Weihetitel: Probst und Kapital des Stiftes Kosterneuburg), Primiz in Poysdorf, 1754 Kooperator in Poysdorf, am 26. März 1765 auf die Pfarre Poysbrunn investiert, wegen Kränklichkeit am 19. Juni 1793 in den Ruhestand versetzt; Übersiedlung Asparn/Zaya, + am 4. Juni 1814 im Stift Klosterneubuirg und dort in der Crypta Ambrosia (Sebastiansgruft) bestatten. (Taufb. d. Pf. Poysdorf; Diöz. Arch. Wien: Pfarrakten Poysbrunn, Pass. Invest.-Buch 18. Jh., Pfarrprot. VUMB ca 1785 S. 21, Pass. Cons.-Prot. 1752, 52f)
13) Diöz. Arch. Wien, Poysdorf Klosterakten 353/7; Hans Spreitzer, Notizen aus dem Kreisamtsarchiv. In: Heimat. im Weinland 1966, 290.
14) Spreitzer, wie Anm. 13)
Aus der Steyrer-Chronik über Poysdorf
Johann Steyer hat in der von ihm verfassten Poysdorf-Chronik einige das Klosterwesen betreffende Anmerkungen gemacht:
Dass im Poysdorfer Kloster wie in anderen Kapuzinerklöstern die christliche Bruderliebe nicht geübt wurde, beweist ein Schreiben ohne Unterschrift vom Jahre 1783 an den Kaiser, worin es heisst, dass „der dortige Guardian, so oft derselbe in Zorn geriet, dem jungen P. Thuribus ins Bibliothekszimmer kommen und ihn mit einem Ochsenziemer hauen liess oder selbst prügelte, so dass dieser Geistliche mit der Zeit ganz verrückt wurde.“ Vor der nach Poysdorf abgesandten Regierungskommission sagten die Klosterbrüder die Unschuld des P. Thuribus wie den Jähzorn und die Rohheit des Guardians aus. Letzterer ward vom Kaiser wegen seines unmenschlichen Verfahrens seines Amtes enthoben und auf 6 Monate in Wien eingesperrt.
Hier sei noch erwähnt, dass die Poysdorfer Kapuziner, denen Kaiserin Maria Theresia den Handel mit sogenannten Lukaszetteln verbot, bei der Vergrößerung der Kirche in Walterskirchen täglich hinabgingen und beim Baue mithalfen. Ein sogenannter Lukaszettel ist ein Zettel mit kurzem Gebet zum heiligen Lukas, der Kranken aufgelegt oder umgehängt wird, damit sie auf Fürbitte dieses heiligen Arztes genesen. Diese Zettel mit Evangeliensprüchen wurden früher auch ins Viehfutter gemischt oder Schwerkranken und Frauen bei schweren Geburten zugesteckt.
Josef II., der die Klöster als unnütz für den Staat, „schädlich für den Volkswohlstand“ ansah, räumte mit diesem Brutstätten des Müßigganges und der Dummheit gewaltig auf. Das 1. Klostergesetz von 1782 hob alle beschaulichen geistigen Männer- und Frauenorden auf, welche ein sogenanntes „beschauliches Leben“ nach dem Grundsatze „Bete und faulenze“ führten. Darunter waren auch die Einsiedler und Waldbrüder, welche nicht in einem Kloster beisammen, sondern zerstreut unter dem gemeinsamen Oberhaupte „Altvater“ an einem einsamen Orte eine Klause bewohnten und von Gebeten und Almosen lebten. Nach ihrer Aufhebung wurden sie als Mesner oder Lehrer verwendet. Für das Vorhandensein einer Einsiedlerklause bei der am Wege von Poysdorf nach Poysbrunn befindlichen sogenannten Einsiedlerkapelle spricht der Umstand, dass der Wald ehemals nahe bis an den Markt reichte, wie auf einer in der Poysdorfer Kirche befindlichen Abbildung Poysdorfs vom Jahre 1968 ersichtlich ist. Die Klause bestand unter Josef II. nicht mehr wohl aber noch unter Maria Theresia.
Heute kann man nur mehr aus der Luft die Mächtigkeit des Klosterbaus erkennen. Durch viele Umbauten (Geschäftsportale und Werkstätten,...) ist die Einheit des Gebäudes nur mehr durch das durchgehende Dach erkennbar. Jene Fläche, auf der einmal die Kirche stand, ist verbaut worden. Das nachstehende Bild zeigt die Anlage in Blickrichtung Süden.
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Die Kirche vom ehemaligen Kapuzinerkloster in Scheibbs. Von den Planunterlagen her soll das Poysdorfer Kloster nach den Plänen von Scheibbs errichtet worden sein, |
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Kapuziner. Ihren Namen erhielten sie von der langen, spitzen Kapuze, die mit dem rauhen braunen Habit und der Barttracht die Ordensmitglieder kennzeichnet. |
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Die Kapuziner
hatten bei ihrem Kloster auch einen Keller angelegt, der sich heute
unter dem Haus Wiener Straße 20 befindet und bis in die heutige Zeit
erhalten ist. Die Kapuziner betrieben keinen Weinbau, aber bestritten einen Teil ihrer Ausgaben aus dem Verkauf des Weines, der durch das Mostsammeln bei den Landwirten zur Verfügung stand. Da dieser "Hauskeller" (der Südtrakt des
Klosterbaus ist auch vollständig unterkellert) zu klein wurde, kauften
sie im Jahr 1750 einen größeren Keller in der Gstetten. Im
westlichsten Teil des befindet sich jedoch in einem Wandstein
eingraviert die Jahreszahl 1751. Hier dürfte dieser Keller umgebaut
worden sein, bzw. wurde ein Aufgang in den Klostergarten geschaffen. |
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Bei dem schon weiter vorne erwähnten Besuchsbericht aus 1962 wurden die Räume von Keller bis zum Dachboden kritisch besichtigt und über ihren früheren Verwendungszweck beraten. Dabei konnte der Herr Provinzial erklären, dass alle Klöster seines Ordens nach einem Schema gebaut wurden, sodass auch hier in Poysdorf eine gleiche Anordnung der Räume gewesen sein mag.
So konnte einwandfrei festgestellt werden, dass das Presbyterium der Kirche im rechten Teil des Hauses Rieder (heute Wessely - Haus Wiener Straße 10) befand, deutlich noch am Gewölbe zu erkennen, das niedriger war als des Hauptschiffes. Hier wurde eine Decke eingezogen, wodurch ein erster Stock entstand, und das Presbyterium nach außen hin (Nordseite) sozusagen abgemauert. Daher sind dort verschiedene Bögen zu erkennen. Die Werkstätte der Schmiede Wessely war die Sakristei und die darüberliegenden Räume im ersten Stock bildeten ein Oratorium hinter dem Hochaltar (Wiener Straße 12). Im Hause Wiener Straße 18 (linker Hausteil Zangl) befand sich zu ebener Erde das Reflektorium, der Speisesaal, daneben die Küche, durch ein Guckloch verbunden. Über diesem großen Raum hatten die Brüder ihre kleinen Zellen, deren Einteilung noch deutlich an der Holzdecke feststellbar ist. Eine Tür führte weiter in des Westtrakt, wo die Bibliothek gewesen sein könnte. Der Brunnen mit seiner steinernen Umfassung steht noch in der Mitte des geräumigen Klosterhofes.
Der Klostergarten, hinter dem Westtrakt gelegen, gehört heute zum Großteil zum Haus Wiener Straße 20 (ehemals Fleischhauerei Paar). Dieses Haus entstand erst um 1800 und war das ehemalige Klosterwirtshaus, also kein Bestandteil des Klosters. Ein weiterer, sehr ergiebige Brunnen im Klostergarten befindet sich unmittelbar neben der Westmauer des Klostertraktes neben dem Wohnhaus der Familie Paar und wird auch noch genutzt.
Im Rahmen dieser Besichtigung wurde angeregt, den Heumarkt entweder in Klostergasse, wie sie früher einmal hieß, oder Kapuzinergasse umzubenennen, um die Erinnerung an das ehemalige Kapuzinerkloster für immer festzuhalten.
Bis 1850 benützte der Bürgerschaft den geräumigen Speisesaal des alten Klosters zu Tanzunterhaltungen und Festlichkeiten. Der darüberliegende Gebäudeteil wurde von der Familie Zangl wieder hergerichtet und als Veranstaltungsraum in vielfältiger Art genutzt.
Der Hochaltar und zwei Seitenaltäre gelangten nach Niederkreuzstetten, ein Seitenaltar ist nach Neubau bei Ladendorf gekommen. Im Krieg wurde letzterer jedoch beim Zusammenbrechen der Kirche ebenfalls zerstört. Die Kirche stürzte ein, als darunterliegende Keller einbrachen. Die nebenstehenden Fotos zeigen den Altar in der Kirche von Neubau und die eingestürzte Kirche. |
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